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Finn und Konsorten sind die Schöpfung des Cartoonisten und hauptberuflichen Arztes Daniel Lüdeling, der gemeinsam mit dem Team von MEDI-LEARN das Portal unter Rippenspreizer.com betreibt und seine Comic-Helden in immer neue Herausforderungen des medizinischen Alltags hineinschlittern lässt.
Wider den medizinischen Ernst
Von wegen „Herr Onkel Doktor, ich…“: Nicht wenige der Rippenspreizer-Cartoons lassen den unvoreingenommenen Betrachter erstmal schlucken. Wenn plötzlich „Game Over“ auf dem XX-Gerät steht oder der Sanitäter-Azubi dem am Kopf Verblutenden einen Schockverband als Wadenwickel legt, dann ist feinherbster englischer Humor am Werke.
Und das ist gut so: Rippenspreizer reflektiert ein zwar ungewohntes, dafür aber ehrliches Bild der Medizin. Und da es kaum etwas Unehrlicheres gibt als politisch korrekte Betroffenheit und trügerische Toleranz gegenüber Behinderten und Kranken, weisen die Cartoons einen anderen Weg auf, mit dem Leid anderer umzugehen – und wer macht mehr Rollstuhlwitze als Rollstuhlfahrer selbst? Das wusste schon Deutschlands ungekrönter Humor-König, Harald Schmidt.
Warum die Helden von Rippenspreizer sozusagen als Spiegel- und Zerrbild des Medizinerstandes fungieren, erklärt Daniel so: „Fast nirgendwo anders wird mit einer fast krankhaften Ernsthaftigkeit und zum Teil heuchlerischen Betroffenheit gearbeitet wie im Gesundheitswesen. Dabei sollten gerade hier Werte wie Ehrlichkeit und Verantwortung so wichtig sein. Dazu gehört meiner Meinung nach im Wesentlichen auch der Humor.“
Nebenbei werden auch die Halbgötter in Weiß und ihre Kollegen aus Pflege und Rettungsdienst mit den Bilderwitzen ordentlich auf die Schippe genommen. Auch das ist gut: Jede Branche entwickelt in Bezug auf ihre Umgangsformen, Riten und Floskeln einen gewissen blinden Fleck. Auch die Medizin. Auf diese Weise ein paar Seitenhiebe, sprich Hinweise zu bekommen, dass man doch nicht immer alles ganz so ernst nehmen sollte, hat noch keinem geschadet.
„Dass Lachen gesund ist, lässt sich inzwischen sogar medizinisch beweisen“, erklärt Daniel. „Dabei geht es weniger darum, Dinge ins Lächerliche zu ziehen oder Zustände zu bagatellisieren. Aber nicht nur Kinder merken doch schnell, ob der Arzt authentisch ist und eine sympathische Grundeinstellung besitzt. Und dabei geht es natürlich um die Reduktion von Angst und die Linderung von Schmerz.“ Sicherlich könne man nicht alles „bespaßen“, meint Daniel, aber es bestehe auch nicht die Notwendigkeit, mit einer zum Teil sehr verbissenen Ernsthaftigkeit ärztlich tätig zu sein: „Für viele Kolleginnen und Kollegen scheint Humor das Gegenteil von Profession zu sein. Hier sollte man meiner Meinung nach ansetzen und auch mal den Mut haben, gemeinsam zu lachen. Und wenn wir Mediziner über uns selbst lachen können, dann ist dies ein guter Schritt auf dem Weg in eine Medizin der Gleichbehandlung und des gegenseitigen Respekts!“
Das Alter Ego auf dem Papier
Nach der Schulzeit absolvierte Daniel seinen Zivildienst beim Arbeiter-Samariter-Bund in Bielefeld und war im Anschluss beim Roten Kreuz tätig. 1996 begann er dann, Medizin an der Ruhr-Universität in Bochum zu studieren.
Dem DRK blieb er während des Studiums treu und war regelmäßig im öffentlichen Rettungsdienst in Bielefeld tätig. Auch heute, längst auf dem Weg zum Facharzt, arbeitet er nebenbei noch als Bereitschaftsarzt im DRK-Ortsverband Bielefeld-Mitte. Daniel Lüdeling arbeitet derzeit im Evangelischen Krankenhaus in Bielefeld, Standort Gilead in der Klinik für Anästhesiologie, operative Intensivmedizin, Schmerz- und Notfallmedizin. Derzeit ist er im vierten Weiterbildungsjahr zum Facharzt für Anästhesie und Intensivmedizin. Die Figuren – Zivis, Sanitäter, Ärzte – spiegeln allesamt zu einem gewissen Grad seinen persönlichen Werdegang wieder. Besonders Finn van Onken trägt – nicht nur optisch – viele Züge seines Schöpfers, denn wie Daniel selbst ist auch sein Alter Ego auf dem Papier als Anästhesist tätig. Wie kam Daniel eigentlich dazu, sein Berufsbild in humoristischer Form zu skizzieren? „Zeichnen tue ich schon seit der Schulzeit. Unsere damalige, gerade neu gegründete Schülerzeitung „Virus“ an der Gütersloher Anne-Frank-Gesamtschule suchte einen Zeichner, und glaubte diesen in mir – einem 14-jährigen und zeichnerisch hochgradig unbegabten Schüler – gefunden zu haben.“ Den ersten Cartoon, gibt er heute zu, hat sogar noch sein Vater gezeichnet. Doch der Ehrgeiz packte ihn schnell und er übernahm die Zeichner-Aufgabe der Schulzeitung dauerhaft. „Von da an entwickelten sich meine Fähigkeiten vom ersten geraden Strich ohne Lineal bis zum computercolorierten Hochglanzkalender.“ Gutes Ventil für die Belastung. Trotz des hohen Drucks, dem auch Daniel in seinem Medizinerberuf unterliegt, hat er bis heute nicht davon abgelassen, seinen schrulligen Figuren weiter lustiges Leben einzuhauchen. „Für mich ist das ein Ausgleich und ein gutes Ventil für die Belastungen in der Klinik. Statt eines auf Dauer zerstörerischen Zynismus pflege ich lieber eine ehrliche und sympathische Art der Verarbeitung. Es muss Spaß machen, sonst ist es nicht lustig!“, resümiert Daniel.
Wie solch ein Cartoon entsteht, verrät Daniel im nächsten Beitrag.
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