Home - Kontakt - Disclaimer - Email  

Home : Allgemeines

 Inhalt

>>

Willkommen

>>

Neue Funktionen

>>

Auftragsarbeit

>>

Mehrwert

>>

Foren

>>

Community

>>

Schreiben & Gewinnen

>>

Finn stellt sich vor!

>>

Shop

>>

Impressum, Kontakt

 Zufallsbild

Mehr Licht
Mehr Licht

 Newsletter

Rippenspreizer Newsletter kostenlos abonnieren! Einfach Email eintragen:

 Geht nicht?!

Warum darf ich nicht alle Funktionen nutzen? Wie darf ich es doch?
Infos - klick hier

Interview mit Humorforscherin Eva Ullmann

Wissenschaft am Objekt Spaß

von Jan-Peter Wulf

Lachen ist gesund: Das ist ein Allgemeinplatz. Dass Lachen jedoch als therapeutische Maßnahme eingesetzt werden kann, Depressionen lindern, Ängste überwinden helfen kann und im tagtäglichen Ernst der Medizinwelt Patienten wie Ärzten dienlich sein kann, wird noch immer unterschätzt bzw. gar nicht in Betracht gezogen. An dieser Stelle wäre etwas mehr Ernsthaftigkeit in Bezug auf den Humor durchaus angebracht – als wissenschaftlicher Untersuchungsgegenstand. In den USA beispielsweise ist die Gelotologie – so heißt die Wissenschaft der Auswirkungen des Lachens nämlich offiziell – Teilgebiet der Psychoneuroimmunologie, die die Bedeutung positiver Gemütszustände für die körpereigene Abwehr von Krankheitserregern untersucht.

Interdisziplinäre Wissenschaft
Das Rüstzeug für die Humorforschung ist – wie fast jede neu entstehende Wissenschaft – interdisziplinär: Aus Psychologie, Soziologie, Biologie, Physiologie und Neurowissenschaften, aber auch aus der Sprachwissenschaft werden verschiedene Ansätze eingebracht und für die Lachforschung aufbereitet. Beispielsweise wird der Einfluss des Humors auf die Gesundheit untersucht, wie Humor im Gehirn verarbeitet wird, welchen Einfluss Persönlichkeitsfaktoren haben oder wie formale Elemente von Cartoons sich auf die kognitive Humorverarbeitung auswirken. Mittlerweile hat sich die Wissenschaft am Objekt Spaß, die seit rund 20 Jahren unter dem Begriff Humorforschung zusammengefasst wird, auch in Europa institutionalisiert: An den Schweizer Universitäten Zürich und Fribourg beispielsweise beschäftigen sich Psychologen mit verschiedenen Aspekten des Humors und des Lachens. Eine europäische Summer School findet seit 2001 jährlich statt, um eine Methodologie für die junge Wissenschaft zu entwerfen und Einsteigern theoretisches Wissen liefern zu können. Weltweit vernetzt sich die Disziplin beispielsweise in der International Society for Humor Studies.

Humortraining für Medizinstudenten
Auch in Deutschland wird ernsthaft am Spaß gearbeitet: Zum Beispiel in Leipzig. Hier hat die Pädagogin Eva Ullmann das Humorinstitut gegründet und berät Unternehmen, Institutionen und auch Krankenhäuser dabei, wie Humor und Optimismus für das tägliche Arbeiten genutzt werden können. Speziell für Medizinstudenten der Uni Leipzig unterrichtet sie im Fach Gesprächsführung praxisorientiertes Kommunikationstraining: Themen wie Aktives Zuhören, Ich-Befinden und Rollenbeispiele zu Arzt-Patienten-Schwerpunkten stehen auf dem Lehrplan. Wir haben mit Frau Ullmann über die Arbeit mit Humor gesprochen.

Liebe Frau Ullmann, eine Frage vorneweg: Wer braucht Humorforschung?
Prinzipiell entstand sie wie alle anderen Forschungsgebiete aus Neugier, nicht aus Notwendigkeit. Wenn man Menschen vergleicht, die Lebensbereiche erfolgreich bewältigen, hat man angefangen zu untersuchen: Warum sind manche glücklich und zufrieden? Warum bekommen Menschen kein Burn Out-Syndrom oder bleiben 40 Jahre glücklich verheiratet? Humor ist dabei ein interessanter Bereich für Forschung. Daraufhin merkte man, dass sich Chefärzte in Krankenhäusern mit einer Studie zur Wirksamkeit von Humor eher für den praktischen Einsatz von Humor (Klinikclowns, Comedy, Filme, Kabarett etc., Humor als medizinische Pille sozusagen) begeistern lassen, als von einem Clown, der vor ihnen steht. Aus neugierigem Forscherdrang wird nützliche Anwendbarkeit, in der Medizin und in der Therapie.

Warum haben Sie dafür gleich ein ganzes Institut gegründet?
Das Humorinstitut gibt es in erster Linie, weil es einfach Spaß macht. Außerdem verstehen viele Laien die reinen Forschungsstudien nicht, das gilt auch für die Humorforschung. Die ist ebenso wenig einfach und humorvoll, wie Depressionsforscher depressiv und Sexualitätsforscher sexy sind! Wir stellen einen Transfer her zwischen Forschung und Wirtschaft, Forschungsergebnissen und Anwendung.

Wenn man versucht, Humor auf einer wissenschaftlichen Ebene zu verarbeiten, nach welchen Parametern kann man da forschen?
Das kommt darauf an, was man herausfinden will. Die Medizin beispielsweise will herausfinden, ob Humor das Immunsystem beeinflusst. Das ist bei Krankheit geschwächt. Kann es durch gezielten Einsatz von Humor gestärkt werden? Also sind die Parameter der Blutkreislauf, die Atmung und vieles andere aus dem Bereich der Biochemie und Physiologie. Eine große Studie in Zürich beschäftigt sich mit der Schmerzreduzierung durch Humor (die so genannte cold pressor task-Studie, d. Red.).

Wie sieht es neben den physiologischen mit den psychologischen Auswirkungen aus?
Die Psychologie interessiert, ob man bei psychisch kranken Menschen mit Humor intervenieren kann, ob er therapeutisch einsetzbar ist. Also gibt es in dem Bereich Studien zur Lebenszufriedenheit und zu den Stärken des Menschen. Humor ist eine der 24 kategorisierten Stärken. Korreliert es mit Lebenszufriedenheit, mit Glück, mit Sicherheit oder mit Kreativität? Man untersucht, ob Humor als Stärke ausbaubar ist, ob sich Psychosen wie Schizophrenie präventiv vielleicht verhindern lassen. Oder ob man Krankheitszustände verbessern kann. Parameter sind hier psychologische Beschreibungen und Bewertungen von Situationen, Erlebnissen, Lebensentscheidungen, die von Versuchspersonen erfragt werden.

Sie unterrichten an der Uni Leipzig Medizinstudenten im Bereich Gesprächsführung. Ein Themenfeld, bei dem viele Medizinstudenten beklagen, es werde viel zu selten gelehrt, so dass sie beim Start in den klinischen Alltag unvorbereitet sind. Was wird konkret trainiert?
Das Prinzip ist das praktische Training von Studenten durch Tutoren. Schwerpunkte sind die Wahrnehmung von Kommunikationsprozessen und die Vermittlung von Handwerkszeug. Also z.B. Tools wie Aktives Zuhören, Ich-Botschaften, das Vermitteln von infausten Prognosen. Es geht darum, den Studenten eine Plattform zu geben, auf der sie Funktionierendes und Hemmendes in der Kommunikation entdecken und reflektieren können. Dazu gibt es Übungen und Rollenspiele, Schauspiel- und Live-Patienten.

Und der Humor?
Das Thema Humor ist spezifisch je nach Tutor. Ich selbst mache oft eine Einheit zu humorvoller Kommunikation. Zur Wirkung paradoxer, also widersprüchlicher Empfehlungen, die ich auch als Arzt geben kann, um das Gegenteil zu erreichen. Manchmal haben Medizinstudenten Vorurteile gegenüber dem Kurs und sehen sich in ihrer Rolle als Arzt nicht in einer Rolle, in der man mit Patienten kommunizieren muss oder kann. Dann ist Humor sehr hilfreich, um sich als Psychotante vorzustellen und einige Fachbegriffe oder Situationen des Kommunikationsalltags zu karikieren. Zum Beispiel die handelnde Ärztin, die gar nicht zuhört, aber immer gleich eine Spritze gibt. Wenn man die als Tutorin vorspielt, erzeugt das Lachen. Diese gelockerte Atmosphäre kann man nutzen, um sich der Bedeutung und der Wirkung bei Kommunikation bewusst zu werden.

Wie kann der (junge) Mediziner Humor-Einsatz am Patienten durchführen, ihn zum Lachen bringen und so Ängste, Stress, körperliche Abwehrreaktionen lindern – ohne dabei unseriös zu wirken?
Viele junge Mediziner sind geradezu verschreckt aufgrund der Hierarchien im Krankenhaus oder werden von Patienten nicht als kompetent angesehen, weil sie für Pflegepersonal gehalten werden. Wenn ein Mediziner die im Raum befindliche Angst (von Patient oder ihm selbst) karikiert und humorvoll zum Ausdruck bringen, kann das eine sehr Angst oder Stress lösende Wirkung haben. Grundsätzlich gehe ich von einem emphatischen (einfühlsamen) und konstruktiven Humor aus, nicht auf Kosten eines Patienten. Patient und Arzt sind dann gelockert und ernste Inhalte können vermittelt werden. Was nützt ein permanentes Wiederholen der Fakten, wenn mir der Patient überhaupt nicht zuhört? Humor kann man für verschiedene Bereiche nutzen und damit sehr seriös wirken. Zur schnellen Vertrauensbildung – was bei der Kürze gerade von Arztgesprächen von entscheidender Wichtigkeit ist – zur Konfliktentspannung, zur Angstlösung. Die Situation für einen Patienten im Krankenhaus ist in jedem Fall eine extreme Situation, in der ein Patient nicht den vollen Umfang seiner sonstigen Leistung besitzt. In dieser Situation eine humorvolle, vertraute Atmosphäre zu erzeugen, in der der Patient mir als Arzt vertraut, gefolgt von Diagnose und Therapieplan, ist meines Erachtens eine große Kunst. Auch für das Thema Hierarchien ist Humor ein Ventil, um Strukturen zu bewältigen, die einen Mediziner stören oder in seiner Arbeit eher behindern.

„Der Beruf des Mediziners ist kein Spaß“, hört man oft: Es geht um Leben und Tod, und der Job ist stressig. Haben Sie konkrete Humor-Tipps bzw. Humor-Übungen, mit denen der Mediziner durch Lachen auch seine eigene, nicht selten vernachlässigte Gesundheit etwas robuster machen kann?
I
ch bin der Überzeugung: Wir sollten weiterhin die Erwartung des Gottes in Weiß pflegen, der von der Unibank direkt fehlerfrei an den Operationstisch kommt und dann in perfekter Handwerkskunst bis an sein Lebensende diagnostiziert und operiert. Im Ernst: Gesellschaftlich und innerhalb des Medizinstudiums, aber auch in Krankenhäusern könnte man vielleicht auch bei Ärzten von Menschen ausgehen. Menschen, die Fehler machen und dadurch lernen. Auch am Patienten lernen. Diese Perspektive wird natürlich gefördert, wenn es mir gelingt, mich auch auf die Schippe und nicht immer zu ernst zu nehmen. Konkret sollte man sich fragen: Was bringt mich zum Lachen? Welcher Kabarettist, welche Freunde? Wie viel Zeit verbringe ich mit ihnen und was davon kann ich mit in den Krankenhausalltag nehmen? Geschichten, Witze, Anekdoten. Welcher Humor von Kollegen kommt gut an bei Patienten oder bei mir selbst? Nachmachen. Ausprobieren. Was nicht funktioniert: weglassen, worüber gelacht wird: wieder erzählen. Und dann ein Training bei mir machen zur Vertiefung.

Frau Ullmann, vielen Dank für das Interview!


Online geht es weiter: Wir haben noch einige Fragen zum deutschen Humor gestellt – und worüber eine Humorforscherin eigentlich lacht.
www.medi-learn.de/mlz-nachschlag

   >>  Zur MEDI-LEARN Zeitung 03/2007
   >>  Zum Digitalen Nachschlag 03/2007

 
 



Home - Kontakt - Disclaimer - Mediadaten - Email  
Copyright © 2003 rippenspreizer.de GbR
Elisabethstraße 9 - 35037 Marburg/Lahn
powered by

Medi-Learn - Die Community zum Medizinstudium (Medizinstudent)      3BScientific - hier klicken