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Dr.Dolors Arztromane

Psychochirurgie - Des Übels nächster Teil!

von Dr.Dolor

Viel schlimmer hätte es nicht kommen können - Dr.Dolor hielt den aktuellen OP-Plan in seinen Händen und gleich der erste Punkt war eine verdammte Neurosuction nach Whipple. Damit unweigerlich verbunden die Assistenz von Dr.Rudel, soviel war klar! Wohl kaum ein anderes menschliches Wesen war in der Lage, eine ähnlich unzählige Menge negativer Attribute in sich zu vereinen, wie Rudel! Ohne sich dagegen wehren zu können drängten sich widerliche Anektoden und Erinnerungen in Dolors Hirn. Schon am ersten Tag seiner Tätigkeit als Oberarzt der Neurochirurgie fiel Rudel unter der gesamten Schar nutzloser Assistenzärzte durch ungefragtes Herumschleimen auf; sogar beim oberärztliche Überstülpen von Kondomen würde er bedenkenlos zuvorkommend agieren.

Egal, er würde schon irgendeine Beschäftigung für Rudel finden, musste er doch letztlich nur darauf achten, dass selbige einen genügend grossen Spielraum bot, damit Rudels sein devotes Verlangen genügend ausleben konnte.
Da nicht mal mehr ausreichend Zeit bestand, in Ruhe seinen Kaffee zu trinken, schüttete er für noch schlechtere Zeiten die Hälfte über seinen Kittel, überprüfte die korrekte Position sowie den aktuellen Bestand seiner Moods Zigarillos und schwebte genervt aber dennoch würdevoll Richtung B-Saal. Der Anästhesist hatte bereits erfolgreich eingerüsselt und Dr.Dolor wollte lieber gar nicht wissen, der wievielte Intubationsversuch letztlich der erfolgreiche war, konnte der Kollege doch kaum Arsch und Mund auseinanderhalten!

Im Augenwinkel bemerkte er gerade noch Schwester Ulla, welche sich just in diesem Moment genüsslich die längste Praline der Welt in den vorne spitz zusammenlaufenden Mund schob und somit das Duplo mit ihren Lippen fest umschlossen hielt, als Rudel die Einleitung betrat und ihm sein Frühstück, eine Zigarette, frisch aufgebrühten Kaffee und die Morgenzeitung anbot. Es waren Momente wie dieser, wo Dolor einen Scheissdreck auf seinen Hippokratischen Eid gegeben hätte und Rudel nur zu gerne mit dem nächstbesten Defibrillator ordentlich das Gesicht entstellt hätte. Es gab diese Momente, zwar selten doch mit expotentieller Tendenz.

Aber wie so oft war er zu sehr benommen von Schwester Ullas Nahrungsauf-nahme und so raunzte er Rudel nur ein spärliches “Hmrrdankeschön-mrgl” zu, der daraufhin sofort zum onanieren auf die Toilette entschwand. Dolor wusste, was ein Ausdruck des Lobes bei einigen seiner Assistenten auslösen konnte aber ebenso konnte er es nicht leugnen, dass ihm diese Position auch eine gewisse Art der Befriedigung verschaffte. Und Befriedigung, das wusste er besser als jeder andere in diesem Haus, Befriedigung ist das Motiv der menschlichen Existenz schlechthin!

Die Schädelkalotte war schnell durchtrennt und auch die Dura stellte für Dr.Dolor kein Problem dar. Mit seinem unanständig prolongiertem Mittelfinger bohrte er sich manuell den Weg durch mehr- oder weniger brauchbares Hirnparenchym und kam schliesslich kurz vor dem Thalamus zum stehen. Er wusste, nur ein paar Kompressionen an dieser Stelle würden ausreichen, und der Patient hätte die kommenden zwei Wochen massive Hormonschwankungen, Schlafstörungen und Libidoprobleme. Aber das war nicht Ziel dieser Operation und so massregelte er sich zu mehr Disziplin und Seriösität. Er griff nach dem Sauger und führte in unter radiologischer Kontrolle sicher bis in den vorderen Hirnlappen, wo er gezielt begann, die Absaugung unter 50 bar adäquat vorzunehmen. Weniger als 3 Sekunden später war der Patient befreit von Charakter, Persönlichkeit, eigenverandwortlichem Denken und Handeln.

Dolor beneidete ihn darum, fortan von Schwestern im randstädtischen Sanatorium umsorgt zu werden. Er stellte sich vor, wie es wohl wäre, den ganzen lieben langen Tag auf einer Parkbank zu sitzen, die Tauben zu beobachten, ohne zu wissen, was er beobachten würde und eine dralle Schwester hätte den ganzen Tag nichts anderes zu tun, als im den Speichel aus dem linken Mundwinkel abzuwischen.

Rudel betrat den OP und Dolor verscheuchte seine letzten Gedanken mit einer abwertenden Handbewegung hinweg, kurz bevor er sich ausmalen konnte, dass statt der drallen Schwester nur dieser miese Rudel seinen Speichel aufwischen würde. Ein grausiger Schauer durchfuhr ihn, anfänglich wegen des nicht gedachten Szenarios, darauffolgend, weil er offensichtlich vergessen hatte, die Suction Unit auszuschalten. Der Sauger hatte sich mittlerweile bis tief in die Medulla oblongata vorgearbeitet und kämpfte sich gerade in das Rückenmark fort. Augenblicklich erkannte Dr.Dolor die ausweglose Situation und beschloss, die ganze Lage zu vertuschen, indem er zunächst Rudel in die nahegelegene Kantine schickte, um zwei Teller Püree zu holen.

Nachdem er die entkernte Schädelhöhle mit diesem annähernd gleichwertigen Inhalt gefüllt hatte, verklammerte er Dura und Schädeldach, übertrug die weitere Verantwortung dem Anästhesisten und begab sich nun auch in die Kantine. Beim herumstochern im Kartoffelbrei wurde ihm plötzlich klar, warum er Neurochirurg geworden war und ein dünnes Lächeln werwandelte sein Gesicht zu einem ungewohnten Ausdruck der Zufriedenheit.

 
 



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