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Dr.Dolors Arztromane

Unfallchirurgie bei Nacht

von Uwe

Unglaublich aber wahr: Der erste "Dr.Dolor-Fremdroman" wurde mir übersendet. An dieser Stelle herzlichen Dank an Uwe Hamsen, der mir die Unfallchirurgie bei Nacht zur Verfügung stellt.

Gerne möchten wir an dieser Stelle auch andere "Hobbyautoren" auffordern, ihre ganz persönlichen "Dr.Dolor-Arztromane" im Rippenspreizer.Forum zu veröffentlichen. Die besten Storys werden hier veröffentlicht und mit einer kleinen Überraschung belohnt!



Dr Dolor war jetzt seit 4 Jahren unfallchirurgischer Oberarzt, aber wie in jedem Nachtdienst, bei dem er um 3 Uhr aus dem Bett geklingelt wurde, fragte er als erstes, "Kann das denn sonst keiner? Hab ich als einziger im Haus was studiert?" Diesmal ging es um einen polytraumatisierten Motoradfahrer, den in 10 Minuten der Notarzt bringen würde. Er legte sich also erstmal wieder hin, denn sein widerlich-schleimiger Assistenzarzt Dr Rudel würde bestimmt schon jetzt geleckt im Schockraum stehen. Nicht das Rudel mehr Respekt vorm Leben eines Patienten hätte als Dr Dolor, auch wenn ein Unterbieten eigentlich nichtmehr vorstellbar war, er war nur so elendig blutgeil, das wurde nur noch überboten von seiner Inkompetenz.

Das machte Dr Dolor noch kein schlechtes Gewissen, denn wenn der Notarzt wieder einer von diesen noch verachtungswürdigeren Internisten war, war die Chance eh riesengross, dass Rudel eine Leiche in Empfang nehmen würde. 15 Minuten später, kam immer noch kein Anruf von Schwester Ulla, dass Dolor im Bett bleiben solle und sie jetzt etwas zu ihm käme, also ging er davon aus, dass da tatsächlich ein Patient im Schockraum liegt. Er fluchte, machte sich eine Zigarette an und auf den Weg zum Schockraum.

Rudel war gerade dabei, irgendwie an einer offenen unteren Extremität rumzufummeln, Dr Dolor hatte nur einen missachtenen Blick und gesellte sich erstmal zum Anästhesisten. Der war schon damit überfordert, gleichzeitig auf seine Monitore zu schauen, Blutkonserven anzuhängen und Dolors Fragen nach den letzten Fussball-Ergebnissen zu beantworten, also musste Dolor wohl oder übel dem Grauen hier ein Ende machen und wechselte auf seinen angestammten Platz. Dabei schubste er Rudel mit einem ordentlichen Hüftschwung beiseite, die Stimmung hob sich.

Mit einem beherzten Griff in alle offengelegten Strukturen dieses Motoradfahrers verschaffte er sich einen Überblick, legte jetzt seine Überlebenschancen auf 50 % fest und versuchte mit der im Hintergrund glotzenden Schwesternschülerin darüber eine Wette abzuschließen. Die würde er in der nächsten Woche noch in die Kiste kriegen, soviel stand fest, aber leichter wär's, wenn er hier jetzt mal was zeigen würde. Also legte er erstmal eine Thoraxdrainage, die war zwar unnötig, schadete aber zumindest weniger als die Thorakotomie, an die er erst dachte. Der offene Oberschenkel wurde jetzt auch kausal therapiert, auf lange OPs hatte er schließlich diese Nacht gar keinen Nerv, also eine beschwingte Amputation. Dr Rudel wollte irgendetwas einwenden.

Um ihm zu demonstrieren, dass Dolor hier im Schockraum machen kann, was er will, amputierte er gleich noch einen unverletzten Arm, und der protestierende Anästhesist wurde ersatzlos rausgeworfen.
Wie im Rausch wartete Dr Dolor jetzt gelassen auf den Herzstillstand, ließ es sich aber nicht nehmen, noch eine offene Herzmassage durchzuführen. Also doch eine Thorakotomie, der Schockraum war sein, gern hätte er jetzt die gesamte Schwesternschule dabei gehabt. Nach 2 Minuten Massage verlor er dann aber doch die Lust. Dr. Dolor beendete seine Demonstration chirurgischer Kunst, er wollte jetzt wieder ins Bett, Dr Rudel sollte gefälligst noch das Protokoll schreiben, notfalls auch rausfinden, ob noch Organspende in Frage kommt, so würde er ihn diese Nacht auch sicher nicht mehr belästigen, und die Schwesternschülerin wurde mit in Dolors Zimmer beordert um den Fall noch einmal genau durchzusprechen. In solchen Momenten wusste Dr Dolor genau, warum er Unfallchirurg war...

 
 



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