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Rettungswache des Monats

Spiekeroog

von Finn

Die Rettungswache Spiekeroog besteht aus einem RTW und einem Rettunsassistenten, der über den Landkreis Wittmund von der DRK Mittelhessen gGmbH gestellt. Rippenspreizer besuchte den vereinsamten Retter im März und war erstaunt über so manche Kuriosität...
Hier möchten wir euch einige interessante Dinge über die Inselrettung auf Spiekeroog berichten und im weiteren natürlich auch exklusive Fotos präsentieren!

Der zur Zeit diensthabende Rettungsassistent Christopher von der DRK Mittelhessen gGmbH lud uns zunächst zu einem kleinen Wachenrundgang ein. Die Rettungswache ist in einem nagelneuen Gebäude zusammen mit der Inselfeuerwehr untergebracht und bietet neben der Garage für den RTW auch eine komplette Wohnung für den Assistenten. Die Wache liegt im Nordwesten der Insel und deckt bei 18,25 qm ca. 750 Einwohner - Im Sommer auch für knapp 64.000 Touristen - ab.

Die Einsätze liegen im Bereich Prellungen, Stürze, Frakturen oder internistische Notfälle. Bei Regen fährt man auch schonmal gerne den Inselarzt von Hausbesuch zu Hausbesuch und trinkt überall lecker Ostfriesentee.

Zusammen mit den Feuerwehrfahrzeugen und zwei Traktoren ist der RTW das einzige Fahrzeug mit Verbrennungsmotor. Deshalb muss der Kraftstoff auch extra vom Festland in Kanistern herangeschafft und in der Garage gelagert werden. Eine weitere Besonderheit ist die Tatsache, dass der Insel-RTW keine Blaulichter auf dem Dach trägt!
Bei einem Einsatz (auch auf Spiekeroog funktioniert die 112) alarmiert die Leitstelle Wittmund auf dem Festland den Rettungsassistenten auf Spiekeroog über Melder. Sicherheitshalber hat dieser auch ein BOS-Gerät in der Wache um jederzeit mit der Leitstelle in Funkkontakt stehen zu können.

Sobald der Melder piepst, springt der Assistent in das Fahrzeug und wartet auf seinen Fahrer, einen ortskundigen Insulaner. Es gibt 3 eingetragene Fahrer, die über eine erweiterte Erste-Hilfe-Ausbildung verfügen und den RTW sicher über die Insel steuern.

Bei schwereren Fällen wird noch der Inselarzt von zuhause abgeholt, und so muss man auch auf Spiekeroog nicht auf ärztliche Hilfe verzichten! Besteht eine Transportindikation für das nächstgelegene Krankenhaus, wird der Rettungshubschrauber 26 gerufen. Sollte der nicht verfügbar sein, muss der Seaking von Helgoland herhalten. Beide Hubschrauber haben durchschnittliche Eintreffzeiten von ca. 20 Minuten und landen auf dem Hubschrauberfeld in der Nähe des Hafens.

Alleine auf einer kompletten Insel für die Rettung verantwortlich zu sein bedeutet natürlich 24stündige Rufbereitschaft für mindestens 14 Tage. Glücklicherweise gibt es auf der Insel einen Physiotherapeuten, der ebenfalls eine rettungsdienstliche Ausbildung hat und gerne für ein paar Stunden einspringt.

Ein weiteres Privileg des Assistenten ist das Fahrrad. Klingt zwar blöd, aber man muss dazu wissen, das Fahrradfahren auf Spiekeroog aufgrund zahlreicher Unfälle verboten ist und das Führen eines Fahrrades nur mit "Fahrrad-Berechtigungsausweis" erlaubt ist!

Natürlich halten sich die Einsatzzahlen auf Spiekeroog in Grenzen; im Winter deutlich weniger als zur Hochsaison im Sommer. Das erscheint zunächst etwas langweilig, ist aber bei näherer Betrachtung durchaus auch spannend und interessant. Gerade die autake Situation auf einer Insel lässt beispielsweise keine Fragen zur "Notkompetenz" aufkommen.

Es erscheint wie eine paradoxe Mischung aus Improvisation, Notbehelf und behördlich verordneten Regularien. Alles in allem ziemlich kurios und ungewöhnlich - nicht zuletzt aber auch ein Stück beneidenswert...

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