Ende mit Hitzewelle….
23. Juli 2010 geschrieben von JochenNach vier Nächten mit den missglückten Versuchen in einer Dachgeschosswohnung erholsamen Schlaf zu finden hat uns das Regenwetter erreicht. Gestern war für mich nach einer sinnlosen Diskussion mit meinem Wecker dann erst mal Tagdienst angesagt.
Wir starteten 15 Minuten vor Dienstbeginn zu einer stark blutenden Wunde unter Marcumar. Nach 8 Minuten konnten wir einen älteren Herrn in seinem Badezimmer begrüßen, der wohl bis kurz vor unserem Eintreffen eine diskrete Varizenblutung hatte. Das eingenommene Marcumar mag zwar bei einem INR von 2,5 die Blutungszeit verlängern, nun war die Blutung jedoch vollkommen gestillt. Nach kurzer Diskussion gab’s für den NIDDM-Patienten noch ein Marmeladenbrot, bevor wir gemütlich auf die chirurgische Ambulanz tuckerten. Nach kurzer Pause an der Wache wurden wir in eine Art Schrebergarten-Siedlung geschickt, da dort wohl ein Patient mit „Prolaps“ hilfebedürftig sei. Mit ungutem Gefühl seitens dieser Arbeitsdiagnose verdrängte ich den Gedanken an den eben konsumierten Schokoladenpudding und steuerte den RTW über den 1,5 km langen Feldweg durch besagte Gartenhaussiedlung. Am Ziel angekommen hieß es absteigen; Die restlichen 500m zum Patienten führten über eine abschüssige Pflasterpiste, die definitiv nicht mit den Abmessungen unseres RTW vereinbar war. Wir schnappten unser Equipment, folgten den einweisenden Nachbarn und fanden in einer Art Gartenhütte einen 67-jährigen vor, welcher über massive Rückenschmerzen sowie sensomotorische Ausfälle im linken Bein klagte. Nach kurzer Anamnese forderten wir einen Notarzt zur Analgesie bei „DISKUS-Prolaps“ sowie einen wendigen KTW zur Überwindung der Wegstrecke bis zum Rettungswagen an. Während mein Praktikant den Patient mit einem Zugang versorgte, das Monitoring anlegte und die Anamnese vervollständigte kämpfte ich mich mit Trage, Schaufeltrage, Vakuummatratze und Absaugpumpe vom RTW über die „Rutschbahn“ bis zur Gartenhütte vor. 20 Minuten später erreichte der Notarzt unseren abgelegen Einsatzort und konnte dem Patienten mit 25mg Ketanest S und 2 mg Midazolam die Forderung nach „oinem Woizen“ entlocken. Mit bedeutend weniger Schmerzen bugsierten wir unseren Patienten auf der Schaufeltrage durch die enge Hütte und lagerten auf der Terrasse auf unsere Vakuummatratze um. Von dort ging’s 20m über Stock und Stein bis zum KTW, welchen ich zwischenzeitlich bis vor die Hütte manövriert hatte. Nun wurde dieser mit Patient, Notarzt und sämtlichem medizinischen Geraffel beladen, was sich nach dem ersten Fahrversuch als unpraktisch erwies. Nach kurzem Umbau kämpfe ich den Sprinter mit Notarzt, Patient und EKG in Richtung RTW, während die restlichen Kollegen schiebend unterstützten. Mit dem RTW ging’s weitere 1,2 km über Stock und Stein durch den Wald, bis wir 3,5 Stunden nach Alarmierung(!) das Zielkrankenhaus erreichten. Auf dem Weg gab’s noch fraktionierte 15mg Dipidolor, was den Patient zu einer Grillabend-Einladung brachte.
Nach dem Einsatz war ein Stop in der Waschhall mit Fahrzeug, Material und Kollegen angesagt. Den Mittag durfte ich aufgrund des kurzfristigen Ausfalls eines Kollegen ebenfalls an der Rettungswache verbringen und mich von Reanimation, BABY-NAW-Verlegung und „Atemnot“ begeistern lassen.
Heute gingen wir’s entsprechend ruhiger an. Nach einer COPD-Patientin dümpelten wir mit Inkubator und Kinderkrankenschwester in eine Geburtsklinik, welche wie so oft ein Problem vermeldet hatte. Auch hier ging’s nach kurzem Geplänkel ohne weitere Maßnahmen zurück nach Hause; das Kind durfte sich auf einer peripheren Station vom Geschaukel in unserem RTW erholen.
