14. Januar 2012 geschrieben von Jochen

Es war geplant, nach Eingang der entsprechenden Start-und Landegenehmigungen gegen Mitternacht zu starten, weshalb mich mein Wecker auch nach knapp 3 Stunden aus dem Schlaf riss – um dann zu erfahren, dass die entsprechenden Genehmigungen noch auf sich warten ließen. Da sich um Mitternacht in einer deutschen Stadt nicht allzu viel brauchbares erleben lässt verringerte ich mein Schlafdefizit um weitere 2 Stunden, um dann gegen 4 Uhr in Richtung Afrika abzuheben.Dort sollte uns ein älterer Herr erwarten, der eine atraumatische ICB nach LMWH-Therapie im Rahmen einer TBVT erlitten hatte. Dem Med-Report war zu entnehmen, dass vor Ort offensichtlich Unsicherheit bez. der durchzuführenden Behandlungsschritte herrschte – und die Versicherung hatte zügig gehandelt, sodass wir ca. 40 Stunden nach Ereignis auf der afrikanischen Landebahn aufsetzen konnten. Der Hinflug bescherte mir weitere 6 Stunden ununterbrochenen Schlaf, sodass die komplette Med-Crew ausgeschlafen an die neue Aufgabe herangehen konnte. Unser Patient wurde nach kurzer Wartezeit durch einen Geländewagen angeliefert und war dank eines vor Ort arbeitenden britischen Paramedics bereits mit einer Infusionsnadel versorgt (2 Fehlpunktionen auf jedem Handrücken, angeblich in der Klinik). Wir reparierten derweil unseren Strechter, da ein Bolzen sich nicht wie gewünscht bewegen ließ. Danach ging flux ins Flugzeug, was einer Temperaturdifferenz von 15°C entsprach – für mich eine dankbarere Arbeitsumgebung. Unsere Hoffnungen auf einen ruhigen Flug bestätigten sich, sodass wir nach einer kurzen Arbeitsphase in aller Ruhe die 8-stündige Heimreise antreten konnten. Zwischendurch entfernte sich der Patient die arterielle Druckmessung, sodass ich aufgrund aufgebrauchter normaler arterieller Kanüle auf ein Seldinger-Set zurückgreifen musste. Mit etwas Glück blieb der als Unterlage genutzte Koffer unversehrt…

Nebenbei bearbeiteten wir Blutdruck und Agitiertheit mit Urapidil, Midazolam und Diazepam – alles in allem nicht aufwändiger als im RTW. Am Zielflughafen erwartete uns ein nach deutschem Standard ausgestatteter ITW, der uns innerhalb einer Stunde in die aufnehmende Uni-Klinik brachte. Neben ein bisschen Midazolam und Urapidil ließen wir die Ausstattung des ITW unangetastet und lagerten den Patienten in der überaus unfreundlichen Notaufnahme der Uni-Klinik um, wo die Angehörigen bereits warteten. Der bei Ankunft verständigte Neurochirurg hatte in den folgenden 30 Minuten leider nicht die Güte seinen Patienten in Empfang zu nehmen und verweigerte bei einem zweiten Anruf etwas patzig den Weg in die Ambulanz, da er auf der Station beschäftigt sei. Wir hinterließen einige Dokumente, verabschiedeten uns von Patient, Angehörigen und Pflegepersonal und wurden vom ITW ins Hotel gebracht…

 

10. Januar 2012 geschrieben von Jochen

Fast 7 Stunden Schlaf waren mir vergönnt, dann riss mich der bewusst früh gestellte Wecker aus den Träumen –schließlich wollte ich ja noch etwas von der City sehen. Der Weg zu den Sehenswürdigkeiten ließ sich per Taxi einwandfrei zurücklegen – lediglich der Rückweg gestaltete sich schwierig, da die Taxifahrer sowohl den Namen des Hotels nicht zuordnen als auch mit der Adresse nichts anfangen konnten. Vor lauter Begeisterung verursachte der Taxifahrer dann noch einen Auffahrunfall, was die Zeitplanung etwas veränderte und anstatt zu einem Nickerchen leider nur noch zu einer schnellen Dusche reichte. Im Krankenhaus bot sich uns das erwartete Bild eines prunkvollen Bauwerks, welches lediglich zur Behandlung ausländischer Patienten mit entsprechenden Versicherungpolicen dient. Auf der Intensivstation wurden wir bei der Übernahme des Patienten durch vier Krankenschwestern sowie das Team der Ambulance unterstützt – ich bin mir nicht sicher, ob eine derart freundliche und unterstützende Mitarbeit seitens des „abgebenden“ Personals in Deutschland regelhaft vorzufinden ist. Unser Patient ließ indes die meisten Tätigkeiten unbeeindruckt über sich ergehen, hatte auf telefonische Anfrage unsererseits auch den gewünschten ZVK erhalten und benötigte somit lediglich noch die Anlage einer arteriellen Druckmessung. Aufgrund des großzügig kalkulierten Zeitplans konnten wir uns mit dem Monitoring und Umlagern recht viel Zeit lassen – lediglich die Umstellung auf unser Beatmungsgerät endete – wie erwartet – in einer kurzen Stressphase. Letzendlich konnte ich jedoch erfolgreiche alle saugwütigen Schwestern abhalten, während der Patient unter leichter Sedierung wunderbar von SIMV auf BIPAP ASB umgeschult wurde. Mit unserem mittlerweile einen Gepäckwagen füllenden Materialbestand konnten wir uns dann auf den Weg in Richtung Ambulance machen, in der sogar für den Patienten noch ein wenig Platz war. Über Stock und Stein ging’s in knapp 45 Minuten zum Flughafen, um dort von der normalen Ambulance in die Flughafen-Ambulance zu wechseln, da lediglich diese über die entsprechende Genehmigung zum Befahren des Rollfelds verfügte. Während unser Monitor einige Gerätefehler vorführte konnten wir unser Flugzeug sicher erreichen und den Patienten rasch einladen. Keine 20 Minuten später ging’s los, und es zeigte sich ein nicht unbekanntes Phänomen; Trotz der flugphysiologischen Veränderungen entspannte sich der Patient bemerkenswert und atmete nach dem Start ohne jegliche Sedierung selbstständig unter CPAP ASB mit einer 100-%-Sättigung und einer AF von 12. Die BGA nach 2 Stunden Flugzeit entsprach nahezu den Vorgaben des Physiologie-Buches. Neben dem komplikationslosen Patienten hatte sich auch der Monitor wieder gefangen, sodass das Reservegerät wieder in seiner Versenkung verschwinden konnte. Mit dem Landeanflug zum ersten Zwischenstopp bemerkte wohl der Monitor die Luftdruckveränderung und begann prompt wieder zu zicken – nächster Umbau aufs Reservegerät…

Der Patient hingegen gewährte uns eine entspannte Tank-und Pinkelpause, und nach dem zweiten Start freundete sich auch der Monitor wieder mit den Umgebungsdrücken an. Mir blieb ein wenig Zeit zum Materialcheck, während sich der Arzt ein kurzes Nickerchen gönnen konnte. Der Patient schien während des Fluges etwas wacher und wirkte zunehmend gestresst – nach der milden Sedierung war das friedliche Ziehen am Beatmungsgerät dann allerdings leider verflogen, und der Patient wünschte eine 30-minütige BIPAP-Phase. Ansonsten hatte ich das große Los gezogen – neben einem Infusionswechsel und einer Antibiotika-Gabe durfte ich 4,5 Stunden den Kurven auf Monitor und Beatmungsgerät folgen, nebenher in Ruhe essen und ein wenig am Laptop arbeiten. Dann kam der nächste Zwischenstopp, ein weiterer Monitorausfall (Reparatur gebucht!) und ein weiterhin dankbarer und unkomplizierter Patient. Nun waren meine 4 Stunden gekommen, und ich döste von Start bis Landung ein wenig vor mich hin. Die letzten zwei Stunden legten wir mit zwei neuen Piloten zurück, da für unsere Crew die vorgeschriebene Ruhezeit angebrochen war. Wenn jemand Lust hat könnte er derartige Arbeitszeit-Regelungen auch für medizinisches Personal einführen…

Vom Zielflughafen hatten wir noch eine einstündige Fahrt mit der Ambulance zurückzulegen, um dann den Patienten sicher auf der Intensivstation des aufnehmenden Krankenhauses zu übergeben. Den angebotenen Tee konnten wir in einen Kaffee umbestellen und nach kurzer Verschnaufpause zur Ambulance zurückkehren, welche uns zurück zum Flughafen bringen sollte. Das medizinische Equipment, welches wir mit der Trage schon in der Ambulance verstaut hatten lag bei unserer Rückkehr nach vorangegangener Desinfektion bereits fein säuberlich geordnet auf der Trage – da könnten sich einige Kollegen aus dem deutschen Rettungsdienst eventuell ein Scheibchen abschneiden. Für uns ging es fix nach Hause, wo ich neben der Materialaufbereitung noch von einem anstehenden Flug nach Afrika erfuhr. Ich organisierte mir eben meinen Lieblingskollegen, verschwand für eine weitere Stunde im Lager und verstaute unser benötigtes Material bereits im neuen Flieger, um nach dem Startschuss für den kommenden Flug zügig losziehen zu können.

Dann hatte ich mir ein kurzes Nickerchen redlich verdient und verschwand nach einem kurzen Stopp bei einem Burgerfabrikant in meinem Hotel – 3 Stunden Schlaf:)

Neues Jahr – neues hochschulstart.de-Glück

8. Januar 2012 geschrieben von Jochen

Die Bewerbung zum Sommersemester 2012 ist raus und wohl auch schon bei einer gewissen Institution in Dortmund eingegangen – zumindest die zurückgesendete Postkarte lässt die Hoffnung ein wenig keimen. Für einen medizinischen Blog hatte das Jahr bisher nur wenig zu bieten – neben der Vorbereitung einer E-Learning-Lektion zum Thema Diabetes war bis heute Funkstille. Nun kann ich aber auf einen nahezu 50-seitigen Med-Report zu einem Patienten zurückgreifen, den wir Morgen aller Voraussicht nach per Ambulanzjet in sein Heimatland transportieren werden. Durch einen schweren Verkehrsunfall hat der gute Herr ein hochgradiges SHT mit komplexen Frakturen des Gesichtsschädels erlitten und nun einen guten Monat in einem asiatischen Krankenhaus hinter sich. Im Hintergrund arbeitete die Versicherung offensichtlich fieberhaft an der Organisation eines Transports, nun lassen es anscheinend sowohl der Zustand des Patienten als auch die Kapazität des aufnehmenden Krankenhauses zu. Den Unterlagen zu Folge erwartet uns ein hämodynamisch stabiler Patient, der vor einigen Tagen tracheotomiert wurde und gestern anscheinend im Verlauf des Weanings  sogar einige Stunden unter CPAP stabil war. In den Berichten finden sich Äußerungen über die Anlage von diversen Venenverweilkanülen, DK, einer Arterie sowie eines zentralvenösen Katheters, sodass von einem ruhigen 24-Stunden-Tag ausgegangen werden kann. Somit bleibt auf dem letzten Abschnitt des Hinfluges sicher noch die Möglichkeit zu einem kurzen Nickerchen, um dann den deutschen Wetterbedingungen zu trotzen und den Samstag bei 33°C zu einer kleinen Sightseeing-Tour in der asiatischen Metropole zu nutzen. Glücklicherweise sind die Kollegen einige Stunden vor unserem Abflug „notfallmäßig“ mit einer kleinen Maschine in Richtung Afrika gestartet, sodass wir in einen halbwegs komfortablen Flieger die 13 Flugstunden absitzen können. So findet sich immerhin wieder die Möglichkeit zum bloggen, was hoffentlich in diesem Jahr wieder etwas ausführlicher geschehen kann – Viel Spaß dabei!

 

25. November 2011 geschrieben von Jochen

Ein kurzer Ausflug war mir am Sonntag vergönnt, der Rest der Bereitschaftszeit plätschert ohne nennenswerte Ereignisse vor sich hin. Am Wochenende waren wir für einen Primäreinsatz alarmiert worden, sollten also praktisch eine Erstversorgung eines erkrankten Urlaubers in einem Provinzkrankenhaus durchführen. Als wir nach gut 2 Stunden einsatzklar vor dem Hangar standen um die 3 Stunden Flugzeit hinter uns zu bringen hatten die auf dem Rückweg befindlichen Kollegen den Patienten bereits geschnappt und waren auf dem Weg in Richtung Nordseeküste. Für uns blieb ein älterer Herr, der im Rahmen eines zweiwöchigen Urlaubsaufenthalts bei bek. Diabetes mellitus eine Gangrän am rechten kleinen Zeh ausgebildet hatte sowie eine zum Transportzeitpunkt bereits ausgeheilte Gastroenteritis aufwies. Im letzten Satz des Med-Reports wurde erwähnt, dass die entsprechenden Kontingente in den Linienmaschinen bereits überbucht seien und die Auslands-Krankenversicherung die Kosten übernehmen würde. 3 Stunden später standen wir an einem größeren Flughafen am Mittelmeer und warteten eine halbe Stunde auf die Ambulance, die uns unseren Patienten direkt an den Flieger chauffierte. Der ältere Herr war leider im Rahmen seines einwöchigen Klinikaufenthalts nahezu vollständig immobilisiert worden, sodass ein eigenständiges Einsteigen leider nicht möglich war. Während einem vollkommen unspektakulären Rückflug verbrauchten wir 3 Tupfer, eine Fertigspritze eines LMWH, einen Apfel und zwei Wasserflaschen. Am Zielflughafen wurde der Patient von einem KTW der Berufsfeuerwehr übernommen und komplikationslos  in Richtung der aufnehmenden Klinik transportiert. Der Versicherung erhält eine Rechnung im oberen 5-stelligen Bereich, und wir machten uns auf den Weg ins Hotel. Am nächsten Tag wurde unser Rückflug stundenweise „nach hinten“ verschoben, um einen wenig lukrativen Leerflug zu vermeiden. Nachdem wir die Zeit erfolgreich totgeschlagen hatten ging’s dann letzten Endes doch an die Homebase und von dort wieder nach Hause.

Fazit: 8 Tage Bereitschaftsdienst, davon 1,5 Tage geflogen. 400km Autofahrt, und drei andere lukrative Angebote ausschlagen müssen, da Flexibilität im Dienstplan des Unternehmens ein Fremdwort zu sein scheint.

Warten wir mal ab, ob sich vielleicht doch noch in den nächsten Tagen ein Flug dazu gesellt – dann könnte man immerhin auch in Sachen Blog ein wenig produktiver sein…

 

 

13. Oktober 2011 geschrieben von Jochen

Nach langer Zeit mal wieder ein Post – in gewisser Weise wird es an dieser Stelle wieder in regelmäßigen Abständen etwas zu lesen geben, da ich doch hin und wieder Kontakt zu Patienten habe. Allerdings wird leider das zu Beginn des bloggens mögliche mehrmalige Updaten innerhalb einer Woche nicht möglich sein. Nach wie vor freue ich mich über Rückmeldungen im positiven wie auch negativen Sinne!

 

Die eigentliche Tätigkeit im Rettungsdienst habe ich im August nach allerlei Querelen beendet. Nun gab es in den letzten 5 Tagen die Möglichkeit im Rahmen einiger Patientenrepatriierungen wieder ein wenig in den operativen Bereich zu wechseln, und somit „Stoff“ für diesen Blog zu bekommen.

 

Wir starteten am Freitag gegen 12 Uhr in Richtung des afrikanischen Kontinents, um von dort einige Patienten nach England zu fliegen, was uns Arbeit für die kommenden Tage (und weit darüber hinaus)  sichern sollte. Nach Verladen von 150kg Material ging es entspannt los, und für den Hinflug war auch genug Catering an Board. An unserem Zielflughafen erreichten uns nach einer Wartezeit von gut einer Stunde die erhofften Patienten, zwei an der Zahl. Alles in allem ist bei wenigen der aus dieser Krisenregion stammenden Patienten mit allzu heftigen Erkrankungs-oder Verletzungsmustern zu rechnen – hin und wieder rutscht jedoch mal ein Patient durch das Raster der dort triagierenden Ärzte und erreicht im septischen Schock ö.ä. das Flugzeug. Wir hatten dem entsprechend Glück und konnten unsere beiden Patienten entspannt auf die Strechter umlagern und einladen – Extremitätentraumata, nach Versorgung mit externen Fixateuren, nicht allzu fordern. Die erste Flugrunde verlief dementsprechend komplikationsarm, sodass das medizinische Gepäck im Frachtraum verbleiben konnte und lediglich ein wenig apparatives Standardmonitoring zum Einsatz kam.  Am Zielflughafen warteten bereits die entsprechenden Ambulances, denen wir die beiden stabilen Patienten unkompliziert übergeben konnten und uns eine weitere Begleitung ins Zielkrankenhaus ersparen konnte. Wir nutzen die Gunst der Stunde um den Rest des Länderspiels in einem Pub zu schauen, und genossen die erholsame Nacht im Hotel. Am nächsten Morgen startete dasselbe Programm, nach 2 Stunden Wartezeit wurden die nächsten beiden Patienten angeliefert. Der eine forderte bei „Z.n. Pneumothorax“ im Rahmen einer ballistischen Wunde ein etwas erweitertes Treatment, der andere marschierte brav mit seinen Fixateuren in den Flieger. Nach gründlicher Untersuchung und Durchsicht aller radiologischen Befunde entschlossen wir uns zum Transport ohne Drainage, was sich im Nachhinein auch als völlig komplikationslos darstellte. Um der Aufregung ein wenig entgegen zu wirken verbrauchten wir eine Ampulle Diazepam, sonst verlief auch dieser Flug reibungslos – begleitet wurde der Patient dennoch vom Flugzeug in die Klinik, was uns im Gegensatz zu den Piloten  2 weitere Stunden Arbeit einbrachte, jedoch kein weiteres Handeln unsererseits verlangte. Tag 3 konnte also entspannt angegangen werden…

Wir starteten abermals recht früh, um dann –wie üblich – gut 2 Stunden auf unsere Patienten zu warten. Diesmal erschien lediglich eine Ambulance auf dem Flugfeld. Aus dieser stieg unser erster Patient selbst aus – der zweite lag mit schmerzverzerrtem Gesicht auf einer Art Trage. Wir teilten uns fix auf, um beide Patienten kurz auf ihre Flugtauglichkeit zu untersuchen, wobei sich keine Einschränkungen zeigten. Vor dem Einladen des zweiten Patienten (Fraktur beider Unterschenkel) gab es noch eine satte Portion Midazolam und Ketanest, so dass dieser wohl vom Flug wenig mitbekommen haben dürfte. Mit Nachlassen der Analgosedierung waren wir bereits wieder in der Luft und bekämpften den Schmerz –anscheinend recht erfolgreich – mit Dipidolor. Zum Ausladen gab’s einen weiteren Schuss Midazolam + Ketanest, was mich auch zur Begleitung des Patienten ins Krankenhaus veranlasste. Wir düsten gut 80 Minuten  mit einer hochmodernen Ambulance in ein Zentrum der Maximalversorgung, während unser Patient den Großteil der Fahrt mit einer begeisterten Analyse des EKG-Kabels verbrachte, welches wohl unter Ketamin-Wirkung erstaunlich interessant sein kann. Als auch dieser Patient an Ort und Stelle verräumt war, gab’s für mich noch eine kostenfreie Stadtbesichtigung in der Ambulance, da mein Taxi wohl noch ein wenig auf sich warten ließ. Dementsprechend kam ich erst gegen kurz nach 20 Uhr im Hotel an, um dann aber sofort zum Abendessen zu schreiten…

Der nächste Tag verlief abermals nach „Schema F“, neben ein wenig Diazepam blieb die Boardapotheke wieder in ihrer Tasche.

Etwas spannender wurde es am Dienstag; Ein Patient wollte von einem anderen afrikanischen Krankenhaus zu einem deutschen Maximalversorger gebracht werden. Der gute Herr hatte im Rahmen massiver körperlicher Anstrengung einen Hitzschlag mit daraus resultierender Hyponatriämie, Rhabdomyolyse und Hirnödem entwickelt. Diesmal sollte der Patient auch im Hospital abgeholt werden, sodass wir uns mit Monitoring, Beatmungsgerät sowie zwei Taschen ins Taxi setzten und uns gut 2,5 Stunden vom Flughafen in Richtung Krankenhaus fahren ließen. In diesem Taxi versuchte der Fahrer offensichtlich den ersten Schneefall des Jahrhunderts in dieser Stadt herbei zu führen – die Klimaanlage arbeitete am Limit und wir wären wohl innerhalb kurzer Zeit erfroren. Nach Abschalten der Klimaanlage und Öffnen der Fenster ging der wilde Ritt los. Im Krankenhaus gab’s noch einen schnellen Snack, um dann den Patienten auf der ICU abzuholen. Dieser war in einem erstaunlich guten Zustand, sodass wir wenige zusätzlich Maßnahmen für den Transport zum Flugzeug ergreifen mussten. Eine Stunde ließ die Ambulance der Chief Nurse auf sich warten, um uns dann in einem erneut wilden Ritt in Richtung Flughafen zu transportieren. Nach kurzer Zeit entpuppte sich die vom KH angelegte Viggo als für unsere Zwecke doch nicht uneingeschränkt geeignet, sodass der Patient eine weitere Viggo und über diese Propofol in sedierenden Dosen erhielt. Mit zunehmender Dämmerung und ununterbrochenem Hupen aller Verkehrsteilnehmer sicher nicht die schlechteste Lösung, für die wir in dieser Situation sicher auch empfänglich gewesen wären. Am Flughafen wartete eine weitere Verzögerung durch Zoll/Passkontrollen auf uns, bis wir endlich den Patienten in die Ambulance retten konnten. Glücklicherweise hatten die Piloten bereits Catering besorgt, so dass wir nach dem Start in aller Ruhe essen konnten. Dem Patient wurde mittels Propofol-Perfusor über den schlimmsten Hunger hinweggeholfen, zum Nachtisch gab’s noch eine Runde Morphin sowie eine arterielle Druckmessung. Gegen 2 Uhr nachts landeten wir in Deutschland, um Arzt und Patient auszuladen – der Rest des Teams flog fix durch die Nacht zurück zum Stützpunkt und bereitete den Flieger für die nachfolgende Crew auf…

 

 

Wartezeit=Wartezeit

10. August 2011 geschrieben von Jochen

Mit den heute online erschienenen Ergebnissen der ZVS-Lotterie steht schon mal mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit fest: Hätte ich mir 0,2 Punkte von meiner Abinote gespart, dann wäre ich nun wohl stolzer Inhaber einer Eintrittskarte.

So sieht’s momentan jedoch so aus, dass man in Deutschland mit einem Abitur von 2,9, 12 Wartesemestern, einem TMS von 1,0, einer med. Berufsausbildung von 1,0 etc. nicht zum erlauchten Kreis gehört, die nach einem Semester das Studium abbrechen…Beim nächsten TV-Bericht zum Ärztemangel zapp ich trotz Entrichtung meiner GEZ von den Öffentlich-Rechtlichen weg….

Auch wenn das eventuell aus meiner Sicht nicht ganz unbefangen klingen mag, aber irgendwas läuft hier doch falsch?!

17. Juli 2011 geschrieben von Jochen

Es ist vollbracht – auch wenn‘s auf der Zielgeraden nochmal anstrengend wurde. Am Freitag war ich mit einem Kollegen in einer Berufsschule der Landeshauptstadt, um angehenden med. Fachangestellten ein wenig Notfallmedizin beizubringen. Der Kurs endete mit Kopfschmerzen und Motivationsproblemen und vier Teilnehmerinnen, welche sich einem Nachtest unterziehen durften. Abgefragt wurden grundlegendste Begriffe der Ersten Hilfe, insgesamt wurden 30 Punkte vergeben. Die Grenze zum Erhalt der Bescheinigung lag bei 15 erreichten Punkten. Von 4 Teilnehmerinnen erhielt eine aufgrund fehlender Bereitschaft zur Testteilnahme 0 Punkte, die anderen drei erzielten hervorragende  15, 16 und 18 Punkte. Wenn man die Teilnehmer eines EH-Kurses für Bauarbeiter und Metzger nach einem Kurs mit diesen Fragen konfrontiert, ist ein durchschnittliches Ergebnis von 20-25 Punkten normal; Also – Vorsicht beim nächsten ArztbesuchJ

Gestern Abend ging’s dann wie erwähnt zur letzten Nachtschicht. Kurz vor Dienstbeginn hatte ich die Möglichkeit zum Erwerb einer Tafel Schokolade, welche den Abend über als Essen reichen musste. Pünktlich um 19 Uhr starteten wir mit dem von den Kollegen mit laufendem Motor vor der Wache übergebenen RTW und tauschten noch eben schnell unsere Helme – dann ging’s bis in die frühen Morgenstunden erst mal rund.

Unser erster Patient erwartete uns im Krankenwagen des Sanitätsdienstes auf einem größeren Firmenfest. Der ca.30-jährige Patient gab an, eine Wespe verschluckt zu haben und von dieser „von innen“ in den Hals gestochen worden zu sein. Neben einer heiseren Stimme zeigte sich eine stecknadelkopfgroße Schwellung im Bereich des Larynx, umgeben von einer diskreten Rötung (welche allerdings auch durch die bereits eingeleitete Kühltherapie verursacht worden sein konnte).

Eine Infusion war durch den Sanitätsdienst bereits angelegt worden, lief allerdings leider paravenös. Wir bedankten uns artig für die Übergabe durch das Sanitätspersonal, wechselten in den RTW und starteten eine fixe Untersuchung. Dyspnoe und Stridor waren weder durch den Patient bemerkt noch auskultatorisch feststellbar, die Kreislaufparameter stabil. Anamnestisch ließen sich neben Pollinosis lediglich einige verheilte Sportverletzungen erheben. Der Rachenraum wirkte –soweit einsehbar – nicht gereizt und zeigte keine Schwellung. Während längerer Sprechphasen des Patienten legte sich auch die heisere Stimme, sodass – passend zur gesamten Art – auch eine psychogene Komponente zu ahnen war. Ohne lange Zeitvergeudung machten wir uns auf den Weg in Richtung Krankenhaus; Die Fahrzeit konnte ich geschickt zur Anlage einer neuen –intravenös liegenden – Venenverweilkanüle nutzen – über diese gab’s einen halben Liter Ringer-Laktat, gefolgt von Kortison, H1+H2-Blocker in der Notaufnahme. Ob das Insekt wirklich „von innen“ gestochen hatte wird schwer nachzuweisen sein, allerdings schien aufgrund der äußerlich wahrnehmbaren punktuellen Schwellung ein klassischer Stich „von außen“ eher wahrscheinlich. Zudem hätte ich bei einem Stich innerhalb des Larynx einen auskultierbaren Stridor erwartet, der sich bis zur Entlassung aus der NA nicht einstellte…

Wir düsten schnell – diesmal in Begleitung des Notarztes – zu einer ~70-jährigen Dame, welche mit ihrem eigenen Blutdruckmessgerät Werte von 190mmHg systolisch gemessen hatte. Auf Nachfrage gab die Patientin zudem einen bds. temporalen Klopfschmerz sowie einen retrosternalen Druck an. Der vom Ehemann gelieferte Medikamentenplan zeigte ASS sowie Lipidsenker, Beta-Blocker und einen ACE-Hemmer. Vor einigen Jahren war im Rahmen einer PTCA wohl ein Stent implantiert worden. Während wir ein wenig EKG-und Vitalparameter erhoben gesellte sich der Notarzt zu uns; Der NEF-Fahrer hatte auf der Anfahrt wohl ein wenig mit dem Navi zu kämpfenJ

Im EKG zeigte sich ein LSB, der aufgrund fehlender medizinischer Unterlagen nicht als bekannt abgetan werden konnte. Demnach gab’s 500mg ASS, 5000 IE UFH und 0,8mg Nitrolingual, gefolgt von 10mg MCP und 5mg Morphin im RTW. Mit Sonderrechten ging’s in Richtung Innere Ambulanz, wo sich in einem älteren Arztbrief der LSB zwar als bekannt herausstelle, aber immerhin laborchemisch ein Infarktverdacht aufdrängte.

Wir dümpelten in wenig durchs Städtle, bis ein weiterer Notarzteinsatz bei einer bewusstlosen Person den raschen Einsatz erforderte. Es erforderte einige Klingelversuche, bis am anderen Ende der Sprechanlage eine offensichtlich lallende Stimme antwortete und uns kundtat, dass ein Einsatz des Rettungsdienstes nicht von Nöten sei. Dennoch wurde auf freundliche Nachfrage die Tür geöffnet, sodass wir im zweiten OG einen Mittfünfziger erleben durfte, der im alkoholisierten Zustand auf dem Balkon gestürzt war und laut Angaben der mittlerweile im Treppenhaus vertretenen Nachbarn für kurze Zeit nicht reagiert hatte. Dies verneinte der ältere Herr vehement und lehnte einen Transport ins KH kategorisch ab. Im Bereich der linken unteren Rippen zeigte sich eine kleine Schramme, welche der Herr jedoch als wenig schmerzhaft abtat. Der Notarzt bemühte noch eben sein Stethoskop, um bei unauffälligem Auskultationsbefund dem Herrn nach wiederholter Ablehnung des Transports einen „guten Abend“ zu wünschen (Fehlfahrt -1). Wir machten uns derweil auf den Weg zum Polizeirevier der Nachbarstadt, wo ein 15-jähriger junger Mann nach einer gewaltsamen Auseinandersetzung mit der Mutter zur Abklärung ins Krankenhaus verlegt werden sollte. Der uns begrüßende Polizist beschrieb bereits die bei Auffindung des Herrn bestehende Aggressivität und „warnte“ vor der lockeren Zunge des jungen Herrn. In der Zelle fanden wir einen sich totstellenden Patienten vor, der Ansprache und  körperliche Untersuchung ohne Reaktion über sich ergehen ließ. Die wohl zu erkennungsdienstlichen Maßnahmen nötige Aufnahme mit der Digitalkamera verwandelte unseren Bewusstlosen innerhalb von Sekunden zu einem tobenden Ungeheuer, welcher allerdings fix fixiert war. Wir machte uns halb gehend – halb schleifend auf den Weg zum RTW, wo die Situation vollends eskalierte. Nach einem versuchten Kopfstoß gegenüber einer Polizistin ging’s zügig auf den Boden des RTW’s und mit Hilfe einiger Beamter zurück in die Zelle – offensichtlich schien es ihm gesundheitlich ja nicht allzu schlecht zu gehen (Fehlfahrt -2). Wir düsten weiter in Richtung Bahnhof, wo eine Bewusstlose Person unserer Hilfe bedürfen sollte. Eine Familie empfing uns und berichtete von einem auf einer Bank sitzenden Bewusstlosen – hier reicht in aller Regel erfahrungsgemäß der Kreislaufkoffer. Der junge Mann war wie erwartet weder bewusstlos noch akut hilfebedürftig und bewegte sich bereits nach freundlicher Ansprache in eine stehende Position. Mit Eintreffen der Polizei ließ sich auch eine zügig und sicher gehende Fortbewegungsweise ausmachen, sodass wir unseren Einsatz an dieser Stelle beendeten. (Fehlfahrt-3).  Derweil wünschte eine junge Dame – selbst Krankenschwester – unsere Hilfeleistung, da seit einer Stunde eine innere Unruhe sowie eine extreme Tachykardie zu verspüren sei. In der Wohnung zeigte sich eine lächelnde Patientin, die in der Tat einen SR von bis zu 110/min aufwies und sich –mehrmals wiederholend – über die innere Unruhe beklagte. Auf Nachfrage wurde der Konsum von 1l Cola bei sonstiger Koffein-Abstinenz erwähnt, was unserer Einschätzung nach durchaus der auslösende Faktor für die beschriebene Symptomatik hätte sein können. Sowohl Patientin wie auch –telefonisch zugeschaltet – Mutter vermuteten jedoch eher eine Schilddrüsenerkrankung oder einen kardialen Auslöser und bestanden auf einen Transport…-Bitte, gerne…

Im Anschluss ging’s in die Nachbarstadt, da ein bekannt an Depressionen leidender und mit Mirtazapin eingestellter Patient nach Konsum von mehreren Gläsern Wein wohl bewusstlos in der Wohnung liegend würde – dieser Patient war ebenso bewusstlos wie der Kandidat vom Bahnhof, diesmal brauchte es sogar die Berührung der Schulter mittels Zeigefinger, um ein spontanes Aufsitzen des Patienten zu provozieren. Nach kurzer Verhandlung verblieb auch dieser Patient in Obhut der Freundin zu Hause (Fehlfahrt – 4). Auf dem Heimweg gab’s den nächsten Auftrag durch die Leitstelle – der am Abend besuchte Herr, welcher auf dem Balkon im Rausch gestürzt war, erbat sich nun neuerdings Hilfe. Nun war aufgrund zunehmender Schmerzen – bei abklingender Analgesie durch den Alkohol – das Pieken der Rippen beim Schlafen doch unangenehm geworden, sodass ein Transport im RTW nötig wurde (Privatrechnung, zu Fuß in den RTW).

Uns war derweil ein kurzer Stopp an der Wache zu Teil geworden, welcher zum Essen eines Portion Reis ausreichte und in einem Nickerchen im Aufenthaltsraum führte. Um vier meldete sich erneut die Leitstelle, da ein weiterer Patient vom am Abend bereits visitierten Polizeirevier ins Krankenhaus verlegt werden sollte. Ich genoss mein Beifahrerleben und döste noch ein wenig bis zu Eintreffen, um dann den angetrunkenen Mittdreißiger im RTW zu betreuen. „Ausschluss Commotio nach Sturz“ hatte der AVD auf die Einweisung gekritzelt, was auch sachgemäß durchgeführt wurde. Die Fahrstrecke von ca. 10km nutzte der Patient intensiv zum Plaudern und beklagte sich – mittlerweile war es kurz vor 5 Uhr- über mangelende Empathie meinerseits. Den auf der Zunge liegenden Monolog über die Gefahren des Alkohols und die anstrengende Art alkoholisierter Patienten ersparte ich mir, nickte freundlich und verabschiedete mich- mittlerweile auf der chirurgischen Ambulanz angekommen. Halb sechs- ab ins Bett und das offizielle Dienstende feierlich verschlafen. Schön warsJ

 

14. Juli 2011 geschrieben von Jochen

So, nun ist es bald soweit – am Samstag geht’s zum letzten Mal für 12 Stunden in den Nachtdienst – dadurch wird mal wieder ein Ausflug gecancelt. Eigentlich sollte es von Morgen bis Sonntag nach Boston gehen, um dort einen Patienten zurück nach Deutschland zu holen. Durch die mittlerweile gewohnte Dienstplan- Problematik muss nun ein Kollege in den Flieger sitzen, sodass ich den RTW durch die Nacht steuern und die medizinische Versorgung der heimischen Bevölkerung sicherstellen kann. Die Woche habe ich mir neben Bürotätigkeiten mit Kursen für medizinische Fachangestellte vertrieben, welche auch auf dem Gebiet der Notfallversorgung fit gemacht werden sollen.  Klingt nach spannendem Notfalltraining, ist in Wirklichkeit aber etwas anstrengender als einen Sack Flöhe mit einer Nadel im Heuhaufen zu hüten. Mit dem medizinischen Wissen würde ich nicht mit einem Rettungsdienstler über das korrekte Ausstellen eines Transportscheins streiten…:)

Schauen wir mal, was in der letzten Nacht als Bonbon noch wartet…

8. Juli 2011 geschrieben von Jochen

Finito – eine Nachtschicht am Samstag „in acht Tagen“, dann ist’s offiziell geschafft. Die Leitstelle, respektive die Bevölkerung schien das die Woche über zu ahnen und reduzierte die Arbeit wie in der Vorwoche bereits angedeutet weiter in Richtung null.

Um mir allzu große Sehnsucht zu ersparen hatte ich an meinem letzten Tag die große Ehre mit einer der gefürchteten ehrenamtlichen Labertaschen zu fahren, die im Rettungsdienst ihre Lebensaufgabe sieht und eine unglaubliche Empathie für sämtliche Patienten empfindet. Dies wirkt in Kombination mit aufdringlichstem Beschwatzen zu den unmöglichsten Tageszeiten  und  einem rettungsdienstlichen Leistungsfaktor von 0,47%  zunehmend abturnend – hab ich schon erwähnt, dass sie als Beifahrerin mit absolutem Fahr-Unvermögen keine Karte lesen kann?

Nun gut, das Leben ist bekanntlich kein Schlotzer. Wir durften die Wache Punkt sieben verlassen, da ein 60-jähriger Herr mit bek. äthyltoxischer Leberzirrhose, Z.n. Leber-Teilresektion und nachgewiesenen Lebermetastasen Bauchschmerzen hatte. Die hatte er seit gut 4 Wochen, war am Vortag im Transplantationszentrum der Uniklinik, in der Nacht beim KV-Notdienst und in den vergangenen Wochen in der Onkologie des hiesigen Krankenhauses gewesen, mit offensichtlich mäßigem Erfolg. Nun erwartete er uns etwas ungeduldig an der Haustür, nahm von der liebreizenden Kollegin geleitet auf dem Tragestuhl Platz und durfte sich ob des raschen Transportbeginns freuen.

Nach Zurückweisung diverser Anschuldigungen in der Notaufnahme konnte ich den wichtigen Dingen des Lebens nachgehen und Brezeln für die werten Kollegen erstehen. Es blieb Zeit zum ordentlichen Kaffee mit Butterbrezeln und einem halbstündigen Spontan-Vortrag des Wachenleiters zum Thema „Jugend – Karriereaussichten“. Wir wurden durch die Anforderung eines Hausarztes erlöst, welcher einen Patienten mit akutem art. Verschluss in die Gefäßchirurgie einweisen wollte – „Das Ganze bitte ohne Blaulicht, zumindest NICHT VOR MEINER PRAXIS!“ – Der Patient mit oben genannten Beschwerden erwartete uns im Wartezimmer, wurde nach Übergabe der Papiere rasch evakuiert und beschrieb im RTW einen seit ca. 1 Stunden bestehenden Schmerz im Bereich der Kniekehle. Ein Trauma war anamnestisch nicht zu finden, Nikotinabusus oder Stoffwechselstörungen ebenso. Bei bek. Rheuma war in der vergangenen Woche ein Krankenhausaufenthalt nötig gewesen, diesbezüglich waren die Beschwerden jedoch laut Patient nahezu verschwunden. Mit seinen 72 Jahren war der Mann kreislaufstabil (RR 150/90mmHG, 90/min, SR, SpO2 98%). Neben dem Schmerz wurden auf Nachfrage Parästhesien und  Kraftminderung im Bereich des linken Fußes beschrieben. Fußpulse waren nicht tastbar, zudem bestand ein Temperaturunterschied. Mit dem üblichen Monitoring durfte meine Kollegin die weitere psychische  Betreuung übernehmen, während ich den RTW durch die Landeshauptstadt ins Zielkrankenhaus steuerte – in Anbetracht der Diagnose in beschleunigtem Stil. Hätte der Hausarzt nicht nur von der Anmeldung des Patienten gesprochen sondern diese auch getätigt, wären wir mit ziemlicher Sicherheit schneller am Ziel angekommen. So durfte der Patient die Warteschleife der interdisziplinären Aufnahme genießen und ein wenig mit den Schwestern schäkern.

Die Abschlussfahrt der hauptamtlichen Rettungsdienstkarriere bildete eine 48-jährige Dame, die mit subakutem – oder doch akutem- Schlaganfall von der Notaufnahme des lokalen Krankenhauses zu den Neurologen verlegt werden sollte. Hätten Internistin und Patientin den Unterschied zwischen 10 und 22 Uhr verstanden, hätten wir uns wohl etwas mehr Zeit lassen können.

Immerhin waren bei Rückkehr noch einige Brezeln übrig…

 

Und damit wird der Blog jetzt von „Rettungsdienst“ zu „Mixed Medicine“ umzuwandeln sein. Mal schauen, ob sich aus der Welt der Repatriierung, Ausbildung, Simulation und  Hobbyrettung etwas spannendes zusammenfügen lässt…

 

Wochenabschluss – leicht gemacht

1. Juli 2011 geschrieben von Jochen

Auf meine letzten Tage flacht das Arbeiten spürbar ab. Heute gab’s in sieben Stunden ganze 3 Fährtchen, darunter einen Transport. Eine ältere Dame aus einer an die Wache angrenzenden Straße hatte um Hilfe gebeten, da ihre noch ältere Mutter auf dem Toilettenstuhl synkopiert war. Bei unserem Eintreffen war die Welt bereits wieder in Ordnung, sodass wir nach 20-minütiger Unterstützung bei pflegerischen Tätigkeiten dem Wunsch der Patientin nachkommen konnten und diese von einer Fahrt ins Krankenhaus verschonten. Es gab das erste Trinkgeld im Jahre 2011 und wir machten uns vom Acker, um kurz darauf mit Sonderrechten im Gebiet der Nachbarrettungswache zu wildern. Über Funk wurde uns von einem hyperventilierenden rumänischen Austauschschüler berichtet, zudem sei die Gastmutter im psychischen Ausnahmezustand. Wir überprüften anhand der im RTW mitgeführten „Überstzungsseite“ unsere Rumänisch-Kenntnisse und kamen zum Schluss, dass  die Kommunikation wohl in Englisch ablaufen müsste. Vor Ort konnten wir uns mit Beginn eines Gewitterschauers noch in den Hausflur retten, wo uns weder eine panische noch in anderer Hinsicht auffällige Gastmutter erwartete. Der Patient – ein 18-jähriger junger Mann aus Rumänien – sprach exzellent deutsch und beschrieb während dem Boxtraining aufgetretene Palpitationen als Ursache für unsere Alarmierung. Aus diesem Grund hatte sich offensichtlich eine Hyperventilation eingestellt, wobei die Kribbelparästhesien bei unserem Eintreffen nahezu verschwunden waren. Nach kurzem Routine-EKG und Auskultation von Herz und Lunge legten wir bei Widerkehren der Beschwerden einen Termin beim niedergelassenen Arzt nahe und empfahlen uns bei strömendem Regen.

Gegen Abend war die Schwester des ambulanten Pflegedienstes bei unserer ersten Patientin eingetroffen, hatte von der mittäglichen Aufregung erfahren und eine sofortige Klinikeinweisung angeordnet. Wir diskutierten ein wenig über Sinn, Kompetenz und Ungerechtigkeit in der Welt und nahmen die ältere Dame im Anschluss mit, um sie vor den weiteren aufregenden Plänen der Pflegekraft zu verschonen – dann noch 3 Stunden absitzen, und fertig war die Schicht.

 

Ansonsten bleibt in Sachen RETTUNGSDIENST MIT PEPP der Mittwoch in Erinnerung. Bei wunderbaren 30°C und schwüler Luft durften wir mit unserem Oldtimer –wie den Rest der Woche – in die Schlacht ziehen und ergatterten 3 Notarzteinsätze in Folge! Nicht dass ich mich mittlerweile um die Notarzteinsätze reißen würde, allerdings hatte an diesem Tag einer meiner Lieblingsnotärzte Dienst. Zuerst wollte eine 40-jährige Patientin mit frühkindlichem Hirnschaden zum konsilarischen MRT  verlegt werden, nachdem diese am 1. Postoperativen Tag nach einer Ca-bedingten Hemikolektomie nicht so recht aufwachen wollte und auf die Gabe von 2mg Dipidolor (!) mit diversen pathologischen Atmungsmuster die halbe Intensivstation auf Trab gehalten hatte. Die Dame atmete zur Verlegung spontan, lag soporös in ihrem Intensivbett und war mit Standard-Monitoring und art. Blutdruckmessung versorgt. Ein paar wenig spannende Perfusoren und Infusiomaten konnten getrost in ihrer Halterung bleiben, da die Dame hämodynamisch stabil war. Sättigungsabfälle waren in den letzten Stunden nicht vorgekommen, allerdings wie bereits erwähnt im Rahmen der wildesten Atemstörungen beobachtet worden. Wir fragten uns kurz, ob die Frage nach dem Sinn der Verlegung/Konsiluntersuchung gestellt werden durfte und entschlossen uns für ein NEIN. Dennoch blieb die Konsequenz bei Feststellung eines neu aufgetretenen neurogenen Defizits fraglich.

Wir düsten unspektakulär in Richtung des MRT-durchführenden Krankenhauses und durften im Flur einen Sättigungsabfall auf 70% beobachten, der  jedoch nach kurzer assistierter Beatmung wieder den Spaß zu verlieren schien und uns für die restliche Transportdauer in Frieden ließ. Ohne neue Ergebnisse durch die MRT kehrten wir mit der Dame auf die abgebende Intensivstation zurück.

Mit der „Intensivpatientin“ auf der Trage bimmelte die Leitstelle auch schon zum nächsten Einsatz. Dank der Mithilfe der Intensivpflege ging das Umlagern recht rasch und wir konnten zügig zu unserem ersten und letzten Notfalleinsatz aufbrechen. Ein Markisenmonteur war aus 1,5m Höhe gestürzt, nachdem er von einem kleinen Mauervorsprung abgerutscht war. An sich nichts schlimmes, zumal er auf hohem Gras auf den Füßen gelandet war – wäre da nicht  das scharfkantige Metallteil gewesen, welches einen 15cm langen Riss im Bereich des medialen Humerus verursacht hatte. Trotz der recht groben Präparationstechnik waren die subcutanen Strukturen nicht sichtbar geschädigt und es blieb bei einem ordentlichen Nähauftrag für den Chirurgen. Weder Kreislauf und Schmerzempfinden machten weiteres Handeln nach ordentlichem Wundverband nötig.

Für mein letztes Arbeitswochenende haben wir jetzt nochmal ein wenig Action gebucht und wollen neben viel Praktikantenausbildung nochmal ein bisschen was rockenJ