Nacht rum, Urlaub II

6. März 2010 geschrieben von Jochen

Die Nachtschicht verlief von Nacht zu Nacht schlechter, was am Donnerstag in einem Schlafpensun von 30 Minuten endete. Zuerst düsten wir mit Notarzt zu einem älteren Herrn, die eine Wendeltreppe hinuntergefallen war und wohl initial nicht adäquat auf seine Ehefrau reagierte. Zwei stark blutende Kopfplatzwunden waren ein für die Ehefrau imposanter Nebenbefund, der uns jedoch nicht weiter beunruhigte. „Kreislaufstabil, 4-fach orientiert, GCS 15“  war im Protokoll zu vermerken, neben einer retrograden Amnesie war der ältere Herr doch relativ glücklich davon gekommen und konnte am Folgetag das Krankenhaus verlassen. Nach ein wenig „KTW-Gelutsche“, wie mein Kollege schön zu sagen pflegt, wurden wir um 2.30 Uhr zu einem HNO-Notfall alarmiert und mit Sonderrechten entsandt. Vor Ort fanden wir eine 31-jährige vor, die sich vor 6 Tagen einer Tonsillektomie unterzogen hatte. Seit dem vergangenen Tag waren wohl zunehmende Schmerzen zu verzeichnen, so dass ihr niedergelassener HNO-Arzt zusätzlich zum Novaminsulfon Tilidin-Tropfen verschrieben hatte. Auch dieses hatte nicht die analgetische Wirkung, so dass die Dame mitten in der Nacht den Notruf wählte und sich einen Transport mit Sonderrechten in die HNO-Klinik wünschte. Nach kurzer Diskussion entschlossen wir uns aufgrund mangelnder Einsicht der Patientin zu eben diesem und lieferten die Dame 20 Minuten später in der HNO-Ambulanz ab. Auf die Rückfrage, welches Analgetikum denn nun zum Einsatz käme, konnte uns die diensthabende Ärztin auch lediglich Novaminsulfon und Tilidin nennen, „den Rest“ hätten sie auf dieser Station nämlich gar nicht vorrätig…Um nicht aus der Übung zu kommen, klingelte der Melder gegen halb 5 zum „Intox“. Die kompetente Leitstellenbesatzung konnte auf unsere Rückfrage nach dem „womit?!“ immerhin mit „vermutlich Tabletten“ antworten. Ein klassisches Himmelfahrtskommando.

Vor Ort fanden wir eine 32-jährige Dame vor, die somnolent auf dem Sofa lag. Die Mutter wirkte passend zur Einrichtung der Wohnung intellektuell unauffällig, konnte jedoch sagen, dass die Tochter wohl Doxepin eingenommen hatte. Im weiteren Verlauf kristallisierte sich heraus, dass die junge Dame wohl im Entzug war und in ein Methadon-Substitutionsprogramm integriert war. Das Doxepin hatte Sie wohl  aus der mütterlichen Tablettenschachtel entwendet und eine ungewisse Menge eingenommen. Eine kurze Suche nach leeren Tablettenblistern verlief erfolglos, sodass wir eine somnolente Patientin im Krankenhaus anmeldeten, einen Zugang und Standardmonitoring hervorzauberten und uns in Bewegung setzen. Eine Intervention schien uns in der momentanen Situation unnötig, da sowohl Aufnahmeenge wie auch –zeit unklar waren und die Dame wunderbar erweckbar war. Im Krankenhaus ergab sich eine kurze Diskussion, warum wir die Patientin auf der Intensivstation abgeben wollten. Dies hatte der diensthabende Arzt der Inneren Ambulanz wohl so entschieden, da ihm die Dame als bewusstlos angekündigt worden war. Nach kurzer Diskussion durften wir dennoch auf der Intensivstation bleiben, und dem Leitstellenmitarbeiter den Unterschied zwischen „somnolent“ und „bewusstlos“ erklären. Ich glaube nicht, dass er es verstanden hat….

Danach war endlich Schluss und ich durfte mir eine Pause genehmigen, so dass ich heute beim AHA-Kurs fit war. Alles in allem ein netter Kurs, mit 5 Teilnehmern auch absolut überschaubar und gut zu moderieren. Spannend war, dass wir zwei unglaublich nette junge Ärzte mit dabei hatten, die laut eigener Aussage jedoch auch sehr von den BLS-Maßnahmen und den „einfachen“ Algorithmen profitierten. Ich hätte nicht gedacht, dass eine Internistin mit einem „Tachykardie-Algorithmus“ so zufrieden gestimmt werden kann. Aber im Endeffekt natürlich umso besser, da das Konzept der einfachen, aber klaren Strukturen wohl doch reges Interesse findet. Wer also noch einen ACLS-Kurs braucht, darf sich gerne meldenJ

Nach der anstrengenden Woche ist nun natürlich erst mal Urlaub angesagt. Ich schätze, dass ich dieses Jahr noch keine 15 Tage im Geschäft verbracht habe…

Ich melde mich, sofern ich mir beim Skifahren nicht die Haxen breche, dann in einer Woche wieder. Macht‘s gut!

3. März 2010 geschrieben von Jochen

Zwei weitere Nächte stecken uns in den Augenringen, und von allzu viel Ruhe kann ich nicht berichten.

Gestern abend ging’s zuerst in ein Altenpflegeheim, wo eine ältere Dame aus dem Bett gefallen war. Diese klagt laut Pflegekraft schon seit Jahren bei jeder vermeintlichen Berührung über Schmerzen, und tat das heute auch. Um eine wirkliche Verletzung auszuschließen durften wir die Dame, die keine offensichtlichen Verletzungen hatte, in die nächste Chirurgie fahren, um dort den diensthabenden Chirurg auf die Suche nach „Nichts“ zu schicken. Dann kehrte erstaunlicherweise Ruhe ein, die gegen 1 Uhr durchbrochen wurde. Eine Gehörlose Dame hatte den Notruf gewählt und berichtet, dass ihr Mann schlecht Luft bekommen würde. Die zu erwartende Reanimation entpuppte sich auch als solche, und gestaltete sich aufgrund enger Raumverhältnisse und einer vollkommen „vollen“ Lunge etwas diffizil. Nach einmaligem Absaugen war eine vorsichtige Beutel-Masken-Beatmung möglich, die jedoch nach jeder Beatmung schaumiges Blut in den Hypopharynx beförderte. Nach weiterem Absaugen gelang die endotracheale Intubation glücklicherweise im ersten Anlauf – Brodelnde Rasselgeräusche auf beiden Lungen waren auskultierbar, das CO2 mit 7-20mmHg jedoch eher schlecht. Auch auf die Bitte „den Patient nicht zu hyperventilieren“ verbesserte sich dieses nur unmerklich. Im weiteren Verlauf konnte der 85-jährige trotz intensiver Bemühungen nicht gerettet werden. An der Wache ging’s erst mal an die Reinigungsarbeiten, die in unserem neuen Desinfektionsraum nicht wirklich Spaß machen. Ich verstehe bis heute nicht, wie man in einem neu gestalteten Desinfektionsraum einen Wasserhahn anbringen kann, der kaum bis zu den Waschbecken reicht und nicht einmal genug Höhe für einen 5l-Eimer bietet. Nach 5 Minuten Desinfektion und 15 Minuten Saubermachen des übergelaufenen Desinfektions-Arbeitsbereichs ging es dann gegen halb 4 zurück in die Federn. Die momentane Ruhe hielt wieder für ungefähr 45 Minuten, da die Innere Ambulanz eine 90-jährige, die 2 Stunden zuvor in Notarztbegleitung in die Klinik gekommen war, akut nach Hause schicken wollte. Zum Glück blieben noch 2 Stunden Schlaf, der wiederum im Morgengrauen durch den Wachenleiter unterbrochen wurde, da noch ein MA-Gespräch zu führen sei. Als nach weiteren 40 Minuten Schlaf der Zivi zum Wäscheeinräumen in den Schlafraum kam, war der Tag entsprechend gelaufen und ich begab mich auf den Heimweg…

Nachts sind alle katzen grau…

28. Februar 2010 geschrieben von Jochen

Nun bin ich gespannt, welches Bild zu dieser Überschrift ausgewählt wird..:)!

Nach drei Wochen Rettungsdienst-Abstinenz war es nun wieder einmal soweit. Die Nachtschicht steht an, und weitere fünf Nächte werden den Tag-Nacht-Rhythmus zu stören wissen.

In der vergangenen Nacht starteten wir entspannt nach Erledigung unserer EDV-Tätigkeiten gegen 20:30 Uhr zu unserer ersten Fahrt.  Ein junger Mann war aus 2 Meter Höhe auf eine Bordsteinkante gesprungen, dabei mit dem Mittelfuß unglücklich aufgekommen und verspürte nun (5 Stunden später) zunehmende Schmerzen.  Als ein Mitstreiter ihm von der bevorstehenden Amputation berichtete gesellten sich Übelkeit und Schwindelgefühl hinzu, was schließlich in der Rettungsdienst-Alarmierung endete. Da wir nun schon einmal vor Ort waren und der junge Herr offensichtlich beim Laufen Schmerzen verspürte, änderten wir die Lackierung unseres Gefährts auf GELB und transportierten ihn auf die chirurgische Ambulanz. Danach ging’s zu einem Verkehrsunfall in das Gebiet der Nachbar-Rettungswache. Vor Ort fanden wir einen um 90° zur Fahrtrichtung gedrehten Van vor, auf dessen Fahrersitz eine Dame saß. Neben ihr stand ein Mann, der sich den Schreck mit einer Zigarette wegrauchen wollte. Da wir dies bei der unter dem Auto erkennbaren Kraftstofflache für unangemessen hielten, verwiesen wir ihn des Platzes und informierten die Dorffeuerwehr, die ihrerseits die Unfallstelle bereits mittels ELW abgesichert hatte über die Problematik. Die Dame war bei unserem Eintreffen bereits aus dem Auto, welches sich offensichtlich überschlagen hatte, ausgestiegen und marschierte um ihr Auto herum. Da es keine weiteren Verletzten zu beklagen gab, stürzten wir uns zuerst auf sie und baten sie zu einer näheren Untersuchung in den Innenraum des RTWs. Neben einer imposanten Beule im Bereich der Schädelkalotte beklagte die Dame keine Verletzungen, die Anlage eines Stifneck verweigerte sie unter heftigem Kopfschütteln. Nach abgeschlossener, unauffälliger körperlicher Erstuntersuchung und Erhebung der Vitalparameter (RR 180/100mmHg, Puls 110/min, Spo2 95% (Raucherin, 15pack years..)  AF: 20/min) rieten wir aufgrund der wohl doch höheren Geschwindigkeit vor dem Überschlag zu einem Transport in die Klinik, dem die Dame nach kurzer Diskussion auch zustimmte. Im von der Dame gewünschten Feld-Wald-und-Wiesen-Krankenhaus  herrschte ein wenig Konfusion, bis alle den genauen Unfallhergang und das Verletzungsmuster verstanden hatten. Von dort ging’s mit Sonderrechte in das Einsatzgebiet der nächsten Nachbarwache zu einer 87-jährigen mit Atemnot. Diese saß in einem, wie so oft vollkommen überheizten, Zimmerchen und zipfelte an ihrem Kopftuch. Im ersten Moment imponierte eine massive Dyspnoe bei einer AF von ~30/min, die exspiratorisch von einem Stöhnen begleitet war. Anamnestisch war von einer Non-Hodgkin-Lymphom-OP vor ca 1 Monat zu erfahren, desweiteren hatte die Dame vor längerer Zeit wohl zwei Infarkte sowie 7 Operationen.  Die Dyspnoe sei wohl nun seit ca. 24 h progredient und von nicht näher klassifizierbarem retrosternalem Schmerz begleitet. Nach kurzer Rückfrage erhielten wir die Information, dass der nächste einsatzbereite Notarzt zwischen 15 und 20 Minuten Anfahrtszeit benötigen würde, woraufhin wir uns zur Flucht nach vorn entschlossen. Unter forcierter Sauerstoffgabe und Monitoring gab’s im Auto noch etwas Flüssigkeit, woraufhin wir uns mit Sonderrechten und Voranmeldung in Richtung des eben angefahrenen Krankenhauses in Bewegung setzten. Dort war der Empfang diesmal ungleich freundlich und kompetenter, sodass wir uns nach Abschluss der Formalitäten auf den Rückweg begeben konnten.  Kurz vor Erreichen der Wache ereilte uns ein neuer Auftrag im Nachbardorf. Auf der Straße erwartete uns bereits eine ältere Dame und führte uns zu einem etwas versteckt liegenden Hauseingang. In der Wohnung fanden wir unseren Patienten (ihren Mann) auf dem Bett liegend vor, der Initial einen relativ gesunden Eindruck machte. Nach kurzer Vorstellung berichtete er von einem nach dem Aufstehen einsetzenden Schwindelgefühls, was an sich nicht ungewöhnlich sei. Jedoch würde bei bekannter Splenomegalie diese heute zum ersten Mal Schmerzen bereiten. Zudem waren pathologische Laborwerte im letzten Monat aufgetreten, welche zur Knochenmarksbiopsie vor 2 Tagen geführt hatten. Nach kurzer Hilfe bei der Sortierung der Buchstaben konnten wir die Verdachtsdiagnose „CLL“ herauskitzeln, die zu dieser Biopsie geführt hatte. Da der Mann momentan stabil schien, entschlossen wir uns ohne weiteres „Rumgedoktere“ zu einem ruhigen Transport ins Krankenhaus, um den Patienten  dort auf der Inneren Ambulanz vorzustellen. Im Anschluss ging’s zu einer Schlägerei. Auch dieser Einsatzort lag im Gebiet der Nachbarwache, was eine etwas längere Anfahrt zur Folge hatte. Vor einer Dorfdisco standen zwei Streifenwagen, deren Besatzung gerade offensichtlich mit der fotografischen Dokumentation des Einsatzgeschehens beschäftigt war. Nach Anfertigung der Aufnahmen schnappten wir uns den einzigen Patienten, der nach einem Handgemenge ein Hämatom im Bereich der Orbita, sowie eine „dicke Lippe“ mit einer diskreten Risswunde aufwies. Da der junge Mann laut Polizei und eigenen Angaben nüchtern und  nicht bewusstlos war, den Transport verweigerte und lieber auf eigene Faust ins Krankenhaus wollte, durfte er dies nach unterschreiben der Transportverweigerung tun. Um 4:30 klingelte uns der Melder aus dem wohlverdienten Schlaf, da im Nachtbus wohl eine bewusstlose Person den Fahrplan durcheinander bringen würde. An der Einsatzstelle war von einem Bus weit und breit nichts zu sehen, lediglich eine Polizeistreife stand mit 2 jungen Damen am Gehwegrand. Eine von ihnen gestand, im vollbesetzten Bus bei schlechter Luft kurz umgekippt zu sein, wollte jedoch ebenfalls keine weitere Behandlung im Krankenhaus (was auch vernünftig schien). Nach 15 Minuten waren wir zurück im Bett, der Schlaf war jedoch trotzdem empfindlich gestört.  Eine halbe Stunde vor Dienstschluss weckte uns abermals das Telefon, da diesmal ein akutes Abdomen zu transportieren sei. Im Nachbarstädtchen ging’s in den vierten Stock, wo eine 57-jährige auf uns wartete. Diese hatte seit ca 10 Stunden Bauchschmerzen, ein bekanntes Colon-ascendes-Ca nach Teilresektion vor 6 Monaten und bereits einen OP-Termin in der 50 Minuten entfernten Uniklinik. Nach kurzer Diskussion erklärten wir dem Ehemann, dass wir seiner Frau keine Spritze geben würden, um ihn danach selbst mit ihr in Richtung Klinikum zu fahren, sondern angesichts der offensichtlich starken Schmerzen einen Transport ins nahegelegene Krankenhaus anstreben würden. Den zur Analgesie angebotenen Notarzt lehnte die Frau dankbar ab, was sie bei ihrer (und unserer) 20-minütigen Wartezeit im Krankenhaus später bereute. Mit weichem Abdomen, Darmgeräuschen und einer tastbaren Resistenz im linken oberen Quadranten tuckerten wir nach kurzer Erhebung von Blutdruck und Herzfrequenz in Richtung Krankenhaus, von wo aus sie 2 Stunden später mittels KTW in die Uniklinik verlegt wurde.

Summa summarum: 1,5 h Schlaf auf 2 Etappen, wenig spektakuläres, noch 5 Nächte…

Urlaub…

26. Februar 2010 geschrieben von Jochen

Kurzer Zwischenpost:

Nach 2 Wochen Karibik schlossen sich 5 Tage Überstundenfrei an, die mir mein Chef aufgrund eines zu gut gefüllten “Stunden-Kontos” zwangsverordnet hat. In Anbetracht unseres momentanen Zivi-Überhangs scheint es Ziel der Geschäftsführung, jeden einzelnen Mitarbeiter mit seinen Stunden in den Bereich von mindestens “-30″ zu bringen, um dann im Sommer keinen Stress mit Überstunden zu haben. Fragwürdige Praxis, nichts desto trotz geht’s ab morgen in den Nachtdienst. Dann folgen auch wieder medizinische Berichte…

Letzter Stop vor Abflug…

4. Februar 2010 geschrieben von Jochen

Vor dem anstehenden Urlaub will der Blog noch mal gefüttert werden. Heute war Frühdienst angesagt, was neben ausführlichem Fahrzeugcheck auch eine Wischdesinfektion beinhaltet. Während dieser geliebten Prozedur tönte unser Funkmelder, da am Bahnhof wohl eine Person in Not sei. Beim Verlassen der Wache gab’s zusätzlich die Info, dass es sich um eine synkopierte Person in der einfahrenden S-Bahn handle. Laut DB-Leitstelle würde die Bahn wohl auf uns warten. Nachdem wir mit viel Getöse die erste Kreuzung überquert hatten beorderte uns die Leitstelle jedoch zurück – der RTW aus dem Nachbarstädtchen bekam seine Chance, da der Patient wohl doch mittels S-Bahn entkommen war…

Zurück an der Wache warteten wir auf unsere nächste Chance und konnten im weiteren Verlauf einen 11-jährigen mit einer leichten Commotio der Kinderklinik zuführen. Dann ging’s ein wenig zur Sache: Bei der städtischen „Tafel“ war ein Krampfanfall gemeldet. Kaum war der noch etwas benommene Patient im Auto ging der Rabautz auch schon los. Bei stecknadelkopfgroßen Pupillen fing der wohl stadtbekannte Politoxikomane mit unschönen Versuchen der Eigen-und Fremdgefährdung an. Nach kurzer, fruchtloser Diskussion fand er sich in Bauchlage auf der Trage wieder und durfte die Arme auf dem Rücken parken. Bis zum Eintreffen des Notarztes spielten wir noch ein wenig „Hoppe, Hoppe Reiter“, was wir im Endeffekt bei einer personellen Überzahl von 5:1 zu unseren Gunsten entscheiden konnten. Nach 4mg Midazolam wurde es „unter mir“ erstaunlich ruhig, sodass wir nach großzügiger Anlage diverser (Sicherheits-)Gurte mit dem weiter in Bauchlage befindlichen Patienten in Richtung Krankenhaus verduften konnten. Dort gab’s noch einen kurzen Streit zwischen Anästhesie und Radiologie, der jedoch nicht wirklich neue Erkenntnisse brachte. Während ich unser Fahrzeug von den Spuren des HIV-und HEP-C-positiven Patienten befreite, rollte der Intensivtransporter der Landeshauptstadt durch die Anfahrt. Dieser brachte die in der Nachtschicht verlegte Patientin zurück, die mit schlechter Prognose auf ihrem Tubus lutschte. Im Anschluss wünschte eine Schulsanitäterin unseren Rat; Im Sportunterricht hatte ein 16-jähriger einen Ball gegen Brustkorb/Bauch bekommen und war kurz danach mit einer ausgeprägten Tachypnoe in einen somnolenten Zustand verfallen. Nach kurzer Blickdiagnose imponierte eine Pfötchenstellung beider Hände, was bei aktueller Einschätzung der Atemtätigkeit nicht verwunderte. Während meine Kollegin ein Thorax-/Abdominaltrauma ausschloss, kümmerte ich mich „um den Kopf des Patienten“. Neben psychischer Betreuung gab’s nach kurzer Zeit eine Rückatemmaske, womit wir auch ca. 15 Minuten unser Glück versuchten. Da keine signifikante Besserung in Sicht war, entschlossen wir uns zum entspannten Transport in die nächste Kinderklinik, was sich auch problemlos abarbeiten ließ. Zum Abschluss ging’s ohne Sonderrechte zu einem älteren Herrn, der seit dem gestrigen Abend über AP-Beschwerden und Dyspnoe klagte. Nun war die Hausärztin vor Ort und stellte einen Einweisungsschein in das ca. 50km entfernte kardiologische Schwerpunktzentrum aus. Nach kurzer Rücksprache entschlossen wir uns zur Nachforderung des Notarztes, was zur panischen Flucht der Hausärztin führte. Bevor dieser die Bühne betreten konnte gab’s ausgiebige Diagnostik, die neben der kardiopulmonalen Problematik (Beinödeme, Druck auf der Brust…) auch einen fieberhaften Infekt zeigte (tympanal 38,7°C). Nach Anlage eines PVZ und der routinemäßigen Blutentnahme gab’s 2 Hübe Nitro, die eine Besserung der Symptomatik brachten. Der Notarzt wünschte zudem 5000 IE UFH und 20mg Furosemid bei unauffälligem EKG-Befund. Laut Patient hatten wir nach dem Transport in den RTW die Symptome in der Wohnung gelassen und konnten den beschwerdefreien Mann in die Obhut der Internisten des nächstgelegenen Krankenhauses (mit Möglichkeit zur Katheterintervention) übergeben. Nun ist’s erst mal gut mit arbeiten; 14 Tage Urlaub sind zu genießen, was auch hier im Blog eine kurze Flaute zur Folge haben wird. Danach geht’s aber mit unverminderter Härte weiterJ

Nacht gut, alles gut

2. Februar 2010 geschrieben von Jochen

Nach meinem krankheitsbedingten Ausfall konnte ich in den letzten drei Nächten wieder ins Geschehen eingreifen. Starten durften wir kurz nach Schichtbeginn mit einem Kind, das wohl stark bluten würde. Mit dieser wenig hilfreichen Einsatzmeldung erreichten wir im Nachbarstädtchen ein Mehrfamilienhaus und machten uns mit voller Ausrüstung in den vierten Stock auf. Dort wurden wir vom hektischen Vater zur hektischen Mutter geführt, auf deren Schoß eine 2-jährige saß, die gegen den Türrahmen gelaufen war und nun eine ca. 1cm lange Platzwunde über der linken Augenbraue vorzeigen konnte. Bei diesem Anblick ließ ich meinen voll bepackten Kollegen vor Absetzen der schweren Koffer umdrehen und machte mich selbst mit Mutter, Tochter, Versichertenkarte und „U-Heft“ auf den Weg ins Erdgeschoss. Nach kurzem Blick in die Pupillen und orientierendem tasten eines kräftigen, altersentsprechenden flotten Radialispuls drückte ich der Mutter eine sterile Kompresse in die Hand und bat meinen Kollegen um Information der nächstgelegenen CA. Auf dem Weg ins Krankenhaus schloss ich potentielle Zeichen einer Commotio cerebri aus und gab grundlegende Tips zur Ersten Hilfe bei kleinen, blutenden Wunden.

Da wir in Sachen Kindernotfall nun ja aufgewärmt waren, durften wir gegen 22 Uhr nochmals ins Geschehen eingreifen. Zusammen mit dem ca. 15 km entfernten Notarzt düsten wir in ein Nachbarstädtchen. Kurz vor Eintreffen am Notfallort erfuhren wir, dass der „Intox“ wohl bei einem 2 Jahre alten Kind zu vermuten wäre, und es sich um die Medikamente der Großmutter handeln würde. Eine nette Zusatzinformation, die ich gerne auch zwei Minuten früher erhalten hätte…

In der Wohnung fanden wir ein agitiertes Kind vor, welches auf dem Schoß der Mutter saß. Die aufgelöste Oma erzählte, dass die junge Patientin wohl die „Abenddosis“ der Oma verspeist hätte, es sich jedoch nur um diese Tabletten handeln könnte (Dosier-Schächtelchen…). Da die Dame sich zusätzlich zum Abendessen nur mit Glimepirid, Amlodipin und Spasmex ernährte, blieb uns der gefürchtete Blick ins Medikamenten-Pocket erspart. Der Blutzucker der jungen Dame war mit 87mg/dl ebenso beruhigend wie ein 90’er Druck bei altersentsprechendem Radialispuls. Während wir die junge Dame samt Mutter in Richtung Auto bewegten tauchte auch die Notärztin auf, entschied zu unseren Gunsten und begleitete den komplikationslosen Transport in die Kinderklinik. Zu nachtschlafender Zeit wurden wir zu einem Sturz gerufen. Vor Ort stelle sich heraus, dass eine ältere Dame auf dem Weg zur Toilette wohl gestürzt war und mittels Hausnotruf ihre „Pflegerin“ alarmiert hatte. Diese hatte die Dame allein nicht auf die Füße gebracht, was unser Erscheinen erklärte. Die Dame gab an, sich lediglich am verlängerten Rücken ein wenig gestoßen zu haben, wirkte fit und war kreislaufstabil. Nach kurzem Beklopfen von Rücken und Steiß beschlossen wir einstimmig, sie nicht mit in die Klinik zu zerren, da sie selbstständig ohne Hilfe und große Schmerzen durch die Wohnung flitzte. Nach entsprechender Dokumentation verabschiedeten wir uns freundlich und machten uns durchs Schneechaos auf den Heimweg. Nach weiteren 30 Minuten Schlaf durften wir zum nächsten Sturz, der verdächtigerweise an der gleichen Adresse gemeldet war. Vor Ort trafen wir unsere Patientin von eben, die wohl laut mittlerweile anwesender Tochter erneut gestürzt war und nun wohl eintrüben würde. Ähnlich zeigte sich die Situation auch für uns, wobei das „Eintrüben“ für mich eher als ante-und retrograde Amnesie imponierte. Bei isokoren, lichtreagiblen Pupillen und sonst unauffälligem Neurostatus nahmen wir sie für den Rest der Nacht mit in die Klinik, wo sie am nächsten Abend auch wieder entlassen wurde.

Die Nacht von Freitag auf Samstag bot wie üblich etwas mehr Programm. Zum Aufwärmen wurde eine Reanimation am Bahnhof gemeldet. Bei unserem Eintreffen schnaufte der Patient jedoch munter vor sich hin und beeindruckte mit gut tastbarem Carotispuls. Im Endeffekt hatte hier ein Passant lediglich einen „C²-Abusus“ mit einer Reanimation verwechselt, was man ihm ja auch nicht übel nehmen kann. Des Weiteren düsten wir von einen hypertensiven Entgleisung zur nächsten, wobei wir regelmäßig einen Notarzt an unsrer Seite hatten. Insgesamt verschossen wir in zwei Einsätzen 30mg Urapidil und 8mg Metoprolol, zwei Notarzt-Protokolle und ein wenig Verbrauchsmaterial. Ab drei Uhr gaben unsere Mitbürger dann endlich Ruhe.

Heute war Spätdienst angesagt, welcher uns ebenfalls drei Einsätze bescherte. Starten durften wir mit einem Notarzteinsatz, der mit dem Schlagwort „Schlaganfall“ geschmückt war. Vor Ort fanden wir eine 85-jährige Dame vor, die sich seit einer Stunde an den Türrahmen klammerte und nun laut Sohn wohl bald keine Kraft mehr habe. Dieses konnten wir nach kurzer Untersuchung und Anamnese bejahen, diagnostizierten eine Hemiparese links sowie eine Broca-Aphasie, was bei einer normoglykämen Patientin in einer Einweisung auf einer „Stroke Unit“ zu münden hatte. Das nahe gelegene neurologische Zentrum wollte wie üblich nicht, sodass wir ins nächstgelegene Krankenhaus fahren mussten. Die Therapie eines 190er Blutdruckes mit 0,8mg Nitrolingual konnten wir der Notärztin derweil ausreden. In Krankenhaus der Minimalversorgung wurde die Patientin umgelagert, von dem laut Ärztin überflüssigen Sauerstoff befreit und bei mittlerweile rückläufigen Symptomen als TIA in die 1-stündige Warteschleife fürs CT auf den Gang gestellt. Alles wie gewohnt in diesem Haus…Danach ging’s mit einer Notärztin erster Klasse zu einem Kollaps eines 90-jährigen, der nach dem Toilettengang wohl bewusstlos geworden sei und für ca. 90 sek. Nicht geatmet hatte. Der Hauptdarsteller war mir ebenso wie seine nervige Pflegeperson von früheren „Besuchen“ gut bekannt, sodass mich das aktuelle Ereignis nicht schocken konnte. Nach kurzer Abklärung und Einsicht in die Patientenverfügung fuhren wir in aller Ruhe ins nahe gelegene Krankenhaus, infundierten ein wenig Ringer- Laktat und übergaben einen stabilen Patienten an die Internisten. Zum Abschluss rief eine Arztpraxis um Hilfe, da dort wohl ein Patient mit ACS aufgeschlagen wäre. Nach 2 Minuten konnten wir unseren RTW vor dem Haus parken, der Notarzt brauchte zwei Minuten länger. In Behandlungsraum 2 fanden wir einen 70-jährigen Patienten, der seit 16 Stunden über thorakalen Druckschmerz klagte. Vor ihm kniete eine 1,30m große Ärztin und bohrte eine Rosanüle in einen Gartenschlauch, was bis zum Eintreffen der Notärztin auch gelungen war. Neben Blutabnahme und Sauerstoff erhoben wir die Vitalparameter. Ein Pulk aus Notärztin, Hausärztin und zwei Arzthelferinnen bildete sich währenddessen im Hintergrund. Nach kurzer Rücksprache bat die Notärztin uns „den Rest zu erledigen“, während „der  Pulk“ die Formalitäten regelte. Nach kurzer Anamnese gab’s 5000IE UFH, 500mg ASS, 10mg MCP und 5mg Morphin. Kreislaufstabil ging’s auf unsere Trage und von dort durch den Schnee in die nahe gelegene Kardiologie unseres Heimatkrankenhauses. Im RTW stieß unsere Notärztin wieder auf uns, nachdem sie sich aus den Klauen der hausärztlichen Versorgungsgemeinschaft hatte lösen können. Nach unkompliziertem Transport hielten wir einen kurzen Plausch auf der Inneren Ambulanz, um dann zur Feierabendvorbereitung zur Wache zurück zu kehren. Weiter geht’s mit zwei Tagen Spätdienst, einem Tag Frühdienst und 15 Tagen Karibikurlaub. Davor sollte ich mich aber noch mal meldenJ

kurzer Auftritt

25. Januar 2010 geschrieben von Jochen

Ein Magen-Darm-Infekt hat mir eine Zwangspause in meiner momentan anstehenden Nachtschicht-Woche beschert. Neben Übelkeit am Freitag konnte ich nach der Samstagnacht mit Durchfall und Erbrechen punkten und habe mir im weiteren Verlauf eine 2-tägige Auszeit gegönnt.

Nichts desto trotz konnten wir am Samstag ein bisschen was bewegen. Gegen 20 Uhr wurden wir vom Sturz einer älteren Dame informiert, die bei unserem Eintreffen im Untergeschoss eines Mehrfamilienhauses auf dem Steinboden saß und offensichtlich am Kopf geblutet hatte. Neben Unzufriedenheitsbekundungen bezüglich der vorherrschenden Temperatur und der Schmerzen am Kopf imponierte eine ca. 5 cm lange Platzwunde am Kopf der Patientin. Im weiteren Verlauf stellte sich heraus, dass die Kollegen bereits am Vormittag im Rahmen einer Hypoglykämie vor Ort gewesen waren, sie dann jedoch den Transport verweigert hätte. Nun gab’s jedoch wenig Diskussion, und wir konnten nach kurzem, beherztem Gespräch ins nahegelegene Krankenhaus aufbrechen. Die Ursache für den Sturz war diesmal übrigens wohl nicht der Blutzucker gewesen; Mit 441 mg/dl war sie zwar nicht optimal eingestellt, einen Sturz erklärte dieser für die Patientin wohl normale Wert jedoch nicht. Auf Nachfrage gab die voll orientierte Patientin an, mit einem Fuß an der Unterkante einer Treppenstufe hängen geblieben zu sein. Der Medikamentenplan wirkte altersentsprechend unspektakulär, das Marcumar weckte jedoch zumindest in meinem Magen ein ungutes Gefühl (zu diesem Zeitpunkt noch ohne Übelkeit…). Da wir selbst ja nicht auf den Kopf gefallen waren schauten wir noch schnell in die Pupillen der Patientin, die jedoch mittelweit, isokor und lichtreagibel waren. Mit einem 160er Druck setzten wir uns in Richtung Ambulanz in Bewegung und wurden dort mit der Frage konfrontiert, wie die Patientin denn wohl zurück kommen würde. Etwas ungläubig wiederholte ich meine Aussage „ die Patientin nimmt Marcumar…“, was wiederum auf der Gegenseite irritierte Blicke verursacht.

Danach wünschten die Erziehungsberechtigten eines 4 Jahre alten Jungen unsere Hilfe. Dieser hatte wohl vor ca. 30 Minuten über kolikartige Bauchschmerzen geklagt, die nun wohl wieder verflogen waren. Mit der Zusatzinformation, dass der Bub vor relativ genau einem halben Jahr im Rahmen einer Invagination die Versorgung durch das Kinderzentrum des Maximalversorgers in Anspruch genommen hatte, ergab sich dann jedoch durchaus eine Indikation zum Transport. Im jetzigen Alter von 4 Jahren schätzte ich die Inzidenz für eine weitere Invagination zwar eher niedrig ein, bei einem 3,5-jährigen hätte ich das jedoch auch gedacht. Das Abdomen war jedoch weich, nicht druckdolent und ließ keine Raumforderungen tasten. Die DG glucksten fröhlich vor sich hin, hämmerten jedoch auch nicht auffällig gegen mein Trommelfell. Mit dem beschwerdefreien Bub tuckerten wir unter Voranmeldung in unsere heimische Kinderklinik, die auf dem Entlassbrief am nächsten Morgen jedoch auch nur „Gastroenteritis“ (das steht wohl gerade hoch im Kurs) zu vermerken hatten.

Nach kurzer Ruhepause wurden wir zur Reanimation gerufen, die am Bahnhof stattfinden sollte. Vor Ort fanden sich eine Gruppe Schaulustiger, zwei rauchende Polizisten und ein auf der Seite liegender Patient, der munter vor sich hin schnaufte. Nach kurzer Lagebesprechung und Untersuchung des offensichtlich alkoholisierten Patienten verabschiedeten wir uns mit Patient ins Auto und düsten auf die Innere Ambulanz. Im Anschluss brachten wir einen taubstummen Patienten samt Betreuer auf die Chirurgische Ambulanz, nachdem dieser vor ca. 20 Minuten  mit Hämatomen am Kopf auf dem Boden seines Zimmers vorgefunden worden war.

Noch während wir mit der Abwicklung des Schreibkrams beschäftigt waren, huschte der Begriff „Notfallverlegung“ durch den Raum, welcher durch die Leitstelle dann auch verifiziert werden konnte. Auf der Intensivstation würde eine Patientin mit Blutungen im Subdural- und Arachnoidalraum – spontan atmend – auf uns warten. Kurze Zeit später fanden wir unsere Patientin vor und – ich hatte bedingt recht behalten. Die Dame von vorhin (Sturz auf der Treppe) blieb zwar nicht stationär in diesem Krankenhaus, wurde jedoch auch nicht nach Hause verlegtJ

Nach kurzer, wie üblich unbrauchbarer Übergabe wurde die Patientin auf unsere Trage gezurrt, etliche Kabel unschön verlegt und der Raum hastig verlassen. Die Patientin war mittlerweile agitiert und nestelte konstant an sämtlichem Monitoring und Zugängen herum. Eine Konversation war vollkommen unmöglich. Im Auto überflog ich den vorläufigen Arztbrief. Hieraus ging hervor, dass die Patientin auf der Intensivstation 6 Einheiten Actraphane erhalten hatte. Bei einem aktuell im RTW gemessenen Blutzucker von 40mg/dl gab’s 12 g Glucose, woraufhin die Patientin aufklarte und bei einem GCS von 15 adäquat reagierte. Nachdem wir dann noch den Kopfverband im Bereich des Kehlkopfs ein wenig eingeschnitten hatten verschwand auch der Stridor und wir konnten uns beruhigt auf die Straßen stürzen. Auf der gewohnt unfreundlichen ICU der NC machte man seinem Namen alle Ehre, sodass wir unseren Aufenthalt so kurz wie möglich gestalteten.

In der Nacht durften wir uns auf Rufen der Polizei noch zu einer Schlägerei begeben, wo ein 20-jähriger eine ca 5mm lange Risswunde oberhalb der Lippe abbekommen hatte. Diese hatte wohl initial stark geblutet, was sie jetzt nicht mehr tat. Nach kurzer Diskussion waren Patient und Rettungsdienst der Meinung, dass kein Transport anzustreben sei. Die Polizistin erklärte jedoch kurz die rechtlichen Grundlagen und forderte eine sofortige ärztliche Abklärung. Um weiteren unsinnigen Diskussionen zu entgehen machten wir uns vom Acker, was der Patient nach 2-minütigem Aufenthalt auf der CA ebenfalls tat…

Zwischenstop

19. Januar 2010 geschrieben von Jochen

Kurzer Lichtblick: Mitten in meiner Überstunden-Abbauphase, die noch bis Samstag dauern soll, durfte ich gestern kurz wieder ran. Mit unserem neuen RA-Praktikant ging’s nach ausgiebigem Fahrzeugcheck und einer halbstündigen Hygienemaßnahme in aller Ruhe in ein Seniorenheim, wo eine ältere Dame auf uns wartete. Diese hatte sich am Abend zuvor das Kniegelenk verdreht und wollte dieses nun dem Chirurgen vorstellen. Danach ereilte uns während unserer EDV-Tätigkeit ein Einsatz, da eine Brandmeldeanlage wohl mit der ihr zur Verfügung gestellten Raumluft unzufrieden war. Hierbei handelte es sich jedoch um einen Fehleinsatz, sodass wir uns im Gegensatz zur wie verrückt fahrenden freiwilligen Feuerwehr vom Ort des Geschehens schleichen konnten. Bereits auf dem Rückweg wurden wir von einem weiteren Notfall in Kenntnis gesetzt: Auf der Bundesstraße sollte ein Patient mit AP-Beschwerden auf dem Seitenstreifen stehen, der KTW eines Mitbewerbers war dort wohl vor Ort, wusste jedoch wenig Sinnvolles über seinen Standort zu berichten. So tuckerten wir die Bundesstraße 2-mal in beide Richtung auf und ab, bis eine etwas genauere Lagemeldung durch die mittlerweile eingetroffene Polizei den genauen Einsatzort bekannt gab. Mittlerweile war auch das NEF mit von der Partie, welches 1 Minute nach uns am Einsatzort eintraf. Auf dem Seitenstreifen der Bundesstraße stand ein PKW, der von zwei Polizeistreifen abgesichert war. In diesem Fahrzeug hing ein 45-jähriger Patient auf dem Beifahrersitz und beeindruckte durch weiße Gesichtsfarbe und raschen Puls. Während wir uns zu einem raschen Transport in den RTW entschlossen, tastete ich eine 200er Frequenz, die fadenförmig am Handgelenk vorbeirauschte. Die Symptomatik war dem Mann bestens bekannt und quälte ihn wohl halbjährlich, kausale Therapieversuche waren bisher jedoch offensichtlich ohne Erfolg. Die sonst hilfreiche Carotismassage durch den Patienten konnte diesmal keine Linderung bringen. Im Auto zeigte sich im EKG eine regelmäßige Schmalkomplextachykardie. Während die NA-Praktikantin einen Zugang verlegte erklärte ich dem Patienten das Valsalva-Manöver, welches von der Notärztin mit den Worten „das hieeelft eh nie..“ abgelehnt wurde. Das freundlich-kollegiale Verhalten dieser Dame war mir allerdings schon bekannt, sodass ich mich ohne weiteren Kommentar zurück zog. Die Frage nach Adenosin mussten wir mit Verweis auf den ÄLRD verneinen, woraufhin ein Transport mit Sonderrechten in die 2 Minuten entfernte Klinik anzustreben war. Der dort tätige Internist war aufgrund der von der Notärztin geäußerten Verdachtsdiagnose „TAA“ offensichtlich ebenso überrascht, klärte kurz über Grundlagen der EKG-Diagnostik auf und applizierte 12 mg Adenosin, was zum gewünschten Erfolg führte. Zum krönenden Abschluss durften wir eine Wohnungsöffnung im Nachbarstädtchen rettungsdienstlich begleiten. Eine behinderte Dame hatte wohl die Rollläden ihrer Wohnung an diesem Morgen nicht geöffnet, sodass die Nachbarn die Polizei verständigten. Nach kurzem, beherzten Arbeiten der Feuerwehr öffnete sich die Tür problemlos, und wir konnten die Dame mit sicheren Todeszeichen vor dem Bett vorfinden. Eine NA-Nachforderung sparte ich mir aufgrund des aktuellen Einsatzaufkommens und wickelte die Formalitäten über die Hausärztin ab, welche auch zügig am Einsatzort eintraf. Alles in allem ein spannender Tag für mich und meinen Kollegen, der leider kaum Zeit für die nötigen Erklärungen ließ. Nun stehen noch Auftritte im Dienste der Ärztekammer an, bis am Samstag die Nachtschicht wieder für reichlich berichtenswertes sorgen wird.

Wochenende (xte Auflage)

11. Januar 2010 geschrieben von Jochen

Nun ist’s mal wieder Zeit für einen etwas ausführlicheren Rundumschlag, da der Arbeits -und Freizeitaufwand der letzten Woche ein entspanntes Tippen nicht zulassen wollte. Ein schneereiches Wochenende liegt hinter uns, welches wir in gewohnter Konstellation auf unserer Rettungswache genießen durften. Am Samstag hatten wir zudem unseren neuen RA-Praktikant an Bord.

Kurz nach einem ersten Frühstücksversuch teilte uns die Leitstelle einen Auftrag in einem ca. 8 Minuten entfernten Stadtteil zu, den wir auf weißer Piste nach 12 Minuten erreicht hatten. Die Einsatzmeldung „Kind 3 Jahre, bewusstlos“ lässt spektakuläres erwarten, erwies sich jedoch auch in diesem Fall als „harmloser“, banaler Krampfanfall. Mit schreiendem, verstörtem Kind einen Untersuchungsmarathon zu starten war weder in meinem noch im Sinne des Notarztes, sodass wir uns nach kurzer Lageerkundung und Fremdanamnese aus der Wohnung zurück zogen und im Flur auf die Alarmanlage warteten, die sich im weiteren Verlauf jedoch etwas beruhigt hatte. Nach unkompliziertem Transport in die Kinderklinik konnten wir nach einem kurzen zweiten Frühstücksversuch in unserer verschneiten Heimatstadt zu einem „Herz-Kreislauf-Notfall“ rutschen. Eine 91-jährige Dame, die nun anämisch in ihrem Ohrensessel saß, hatte wohl den ganzen Morgen über Unwohlsein geklagt und zeigte eine leichte Tachykardie. Etwas unverhofft kam unser RA-Praktikant zu seiner ersten präklinischen Viggo-Anlage, was er jedoch unter ärztlicher Aufsicht und verbaler Führung gut meisterte. Nach einem unauffälligen 12-Kanal-EKG und weiterer Diagnostik gab es fraktioniert 4 mg Metoprolol, und wir konnten uns mit der beschwerdefreien Dame in Richtung der Inneren Ambulanz in Bewegung setzen.

Da wir in Sachen Kindernotfälle ja bereits in Übung waren, durften wir – diesmal ohne Notarzt – zu einem „Kind, 3 Jahre, Z.n. Sturz“ düsen. In der Wohnung begrüßten uns Vater, Mutter, Patient, ein weiteres Kind und der liebevolle Wachhund, der offensichtlich noch nicht gefrühstückt hatte. Nachdem dieser Kläffer im Badezimmer etwas Bedenkzeit bekam, konnten wir uns um den kleinen Mann kümmern, der im spielerischen Toben vom Sofa gestürzt war und mit dem Hinterkopf gegen einen Blumentopf gestürzt war. Da dieser einen verhältnismäßig scharfen Rand hatte, zeigte sich occipital ein ca. 1,5 cm langer, schmaler Streifen, der offensichtlich durch den Blumentopf verursacht worden war. Nach kurzer Unmutsbekundung wurde der junge Mann jedoch schnell zutraulich und wir kamen ins Gespräch. Im weiteren Verlauf durfte ich sogar in die Pupillen leuchten und unser Praktikant den Puls tasten. Da keinerlei Symptome einer Commotio vorlagen und der junge Mann „fit“ wirkte, tuckerten wir in aller Seelenruhe in die Kinderklinik und konnten ihn dort mit seiner Mutter in die Hände der Pädiaterin übergeben.

Anschließend stand einem vollständigen Frühstück nichts mehr im Wege, und wir konnten uns in aller Seelenruhe unseren Wochenend-Tätigkeiten widmen. Nachdem dies erledigt war, stand das nächste Highlight auf dem Programm: Einweisung aus der Notfallpraxis…

Dort angekommen erwartete uns eine adipöse, ungepflegt wirkende ältere Dame, die etwas angestrengt auf der Untersuchungsliege saß und offensichtlich gestaut war. Nach kurzer Zeit stürmte auch schon die Dienst habende Internistin ins viel zu kleine Zimmer, überreichte uns die Papiere und erklärte, dass die Patientin im 30m entfernten Krankenhaus bereits angemeldet sei. Nach kurzer Nachfrage konnte sie uns zudem die Diagnose „kardiale Dekompensation, Lungenödem, Stauungspneumonie“ verraten. Die Frage nach dem EKG wurde verneint, da die Patientin einfach schnell ins Krankenhaus müsste… Notfallpraxis live eben…

Nach kurzer Vorstellung retteten wir die Patientin auf unsere Trage, tuckerten in den RTW und ließen unseren Praktikanten ein wenig „arbeiten“. Ich war sehr erfreut, dass er die Notwendigkeit eines EKG’s erkannte, während ich den wie üblich schweinisch fixierten Zugang neu fixierte. Dummerweise zeigte sich nach Anbringen der EKG-Elektroden auch ein Rhythmus auf dem Schirm, den es zu beurteilen gab. Alternativ dazu bot ich die Auskulation der Lungen an, die schon ohne Stethoskop ein relativ klares Ergebnis preisgaben. Nach 2-minütigem, intensivem Lauschangriff wurde die Einweisungs-konforme Beschreibung „das klingt komisch“ getätigt, was ebenfalls einer kurzen Erklärung in der Naschbesprechung Raum gab. Nach 4l/min Sauerstoff ging’s ohne weitere Maßnahmen die 30 Meter ins Krankenhaus, wo sich das aufnehmende Team bereits auf die Ankunft freute.

Gegen Nachmittag hatten wir noch einen Auftritt in der Sporthalle, da sich dort eine 24-jährige beim Handball die Achillessehne verletzt hatte. Nach kurzer Untersuchung bewegte sich der Verdacht eher in Richtung Zerrung, die Patientin konnte trotz der leichten Schmerzen und dem bevorstehenden Krankenhaustransport noch lachen und die Zuschauer glotzen. Nun stellt sich immer die kritische Frage des Transports. Einige Kollegen wurden sich wohl für „Trage“ oder „Tragestuhl“ entscheiden, ich entschloss mich in Rücksprache mit der Patientin für ein humpelnd-hüpfendes Verlassen der Halle. Da die Patientin bei dieser Art der Fortbewegung keine Schmerzen empfand und sicher durch meinen RAiP und mich gestützt wurde, waren mit Ausnahme eines besonders schlauen Zuschauers („man könnte ja auch etwas schaffen wollen und die Bahre holen…“) alle zufrieden.

Auf der Rückfahrt vom Krankenhaus in Richtung unserer Wache holte uns ein weiterer Einsatz mit dem Namen „Sturz“ ein. An der besagten Adresse fand sich der gewünschte Name, so dass wir zielstrebig die Wohnung betraten und dort einen 92-jährigen vorfanden, der von seiner kompletten Familie betreut und vormündisch vertreten wurde. Er sei gestern Abend beim Schuhe binden aus dem Gleichgewicht geraten und auf dem Rücken gestürzt, und seitdem seien wohl zunehmende Schmerzen im LWS-Bereich zu verzeichnen, welche beim Aufstehen oder Kompression der besagten Region wohl zunehmen würden. Da die Tochter bereits sicher war, dass ein Röntgenbild nötig sei, tuckerten wir ohne weitere Diskussion mit der Verdachtsdiagnose LWS-Prellung ein weiteres Mal ins Krankenhaus und freuten uns, dass der Patient selbst in den RTW marschierte, sich auf unseren Thron setzte und in der Fahrzeughalle den Weg zur Ambulanz ebenfalls selbst zurück legte…

Gestern war dann der Tag des Herrn. Nach kurzem Frühstück und Erledigung der EDV-Tätigkeit konnte ich mich in aller Ruhe dem Studium meiner wieder ausgegrabenen „Fragensammlung Rettungsdienst“ widmen. Nach ca. Stunden düsten wir zum ersten Mal zum Einsatz, hier sollte es um einen Sturz, der zu einer Schmerzbedingten Synkope geführt hatte, gehen. Am Einsatzort fanden wir eine 18-jährige Dame vor, die auf dem Badteppich liegend vom Vater betreut wurde. Nach kurzer Vorstellung konnten wir anamnestisch erfahren, dass sie wohl die oberste Treppenstufe nicht gesehen hatte und daraufhin die folgenden 11 Treppenstufen in unorthodoxer Weise zurückgelegt hatte. Nach Ankunft im gewünschten Stockwerk sei sie vor Augen der herbeieilenden Vaters schnell aufgestanden und für ca. 10s in sich zusammen gesackt. Ein orientierender Bodycheck ergab keinerlei Verletzungen, ebenso eine gründlichere Untersuchung. Die Vitalparameter waren sensationell,  neben einer Hypothyreose war die Frau altersentsprechend gesund und 4-fach orientiert. Nachdem die Frau aufgestanden war und sich selbst ein testweise wenig durchbewegt hatte den Einsatz an dieser Stelle zu beenden, verordneten 2 Stunden Sofaruhe mit Tee und verabschiedeten uns. Danach ging’s zum ACS in die entgegen gesetzte Richtung, wo uns das NEF der Nachbarwache unterstützte. Passend zur Nationalität füllte sich die Wohnung innerhalb der nächsten 15 Minuten mit ca. 20 weiteren Beobachtern, deren Fragen natürlich auch beantwortet werden wollten. Nach Abgabe dieses Patienten auf der Inneren Ambulanz forderte uns die Notfallpraxis , zusammen mit „unserem“ NEF, zu einem weiteren ACS. Auch hier ging’s Algorithmen-konform fix, sodass wir mit dem gestressten Unternehmer nicht allzu lang fackelten und auch diesen der Inneren Ambulanz zuführten. Nun war unser RTW in Sachen Medikamente leer, sodass wir uns zur Wache zurückzogen, um uns wieder ACS-klar zu machen. Es kam jedoch, wie es kommen musste:

Die Polizei forderte zu einem Sturz, wo die Beamten die Tür wohl nicht öffnen konnten.

Bei näherem Hinsehen handelte es sich hierbei um die Tür einer ca. 80cm² großen Toilette in einem völlig überheizten schwäbischen Haushalt, hinter der sich der Besitzer des Hauses befand.

Mein Kollege presste sich heldenhaft durch den engen Spalt und konnte drinnen nach ordentlichem körperlichem Einsatz den Patient so platzieren, dass sich die Tür aushängen ließ. Unser Patient war schwäbisch dumm, was sich offensichtlich auch auf den mittlerweile eingetroffen Enkel vererbt hatte. Nach kurzer Diskussion konnten wir ihn jedoch davon überzeugen, dass ein Druck von 220mmHg und die Hemiparese nicht vom unbequemen Liegen kommen, und uns auf den Weg zu unseren geliebten Inneren Ambulanz machen. Mein Kollege hatte sich jedoch bei diesem Toilettenkampf auf engstem Raum in beachtlicher Menge mit den Patienteneigenen Fäkalien beschmutzt, was olfaktorisch wie auch optisch zu beleidigen wusste. Es kam, wie es kommen musste: Just in diesem Moment tobte im Kreis der Bär, und ich durfte mit meinem stinkenden Beifahrer eine demente Dame auf einem Feldweg einfangen. Deren Zustand war den Ersthelfern verständlicherweise komisch vorgekommen, nachdem sie auf der Suche nach Energie den Feldweg auf -und abgerannt war. Im RTW zeigte sich ein Exelon-Pflaster im Nacken, sodass wir unsere Verdachtsdiagnose fix gefasst hatten. Da keinerlei Klinikindikation bestand, entschlossen wir uns zu einem „Heimtransport“. Dort war jedoch die ganze Familie zu einem Ausflug aufgebrochen, und die Oma in ihrem aktuellen Zustand ohne Betreuung mit Sicherheit nicht in Sicherheit…Nach unzähligen frustranen Telefonanrufen bei Verwandten und Freunden fand sich ein Nachbar, der allerdings auch nur kurze Zeit aufbringen konnte. Da die Heimkehr der Familie wohl laut Nachbar noch bis zu 4 Stunden dauern könnte, entschlossen wir uns die Dienste des Notfall-Nachsorge-Dienstes (in diesem Fall: Betreuung) in Anspruch zu nehmen. Kurz nach dessen Alarm – ich hatte gerade einen Tee für unsere Patientin gekocht – erreichte die Familie das Haus und wollte mit barschem Ton erfahren, was denn eigentlich los sei. In einem freundlichen 3-Minuten-Vortrag erklärte mein Kollege die Sachlage, die daraus möglichen Konsequenzen sowie den logistisch gestarteten Aufwand, was immerhin zu einem kurzen „Danke“ reichte. Nach Abbestellung des NND verließ auch ich freundlich grüßend die Millionen-Hütte und wies auf den frisch aufgebrühten Pfefferminztee hin…

Alles in allem ein spannendes Wochenende, woraufhin nun eine Woche „Überstundenfrei“ und Schneeschippen folgt.

1. Post im neuen Jahr

1. Januar 2010 geschrieben von Jochen

Mit Elan ins neue Jahr – getreu den guten Vorsätzen habe ich den minimalen Silvesterkater mit Sport, frischer Luft und EKG-Studium bekämpft. Am Wochenende geht’s noch kurz ins warme Thermalbad, um dann am Montag mit neuem Zivi-Praktikant und neuer RA-Kollegin beruflich in das neue Jahr zu starten. Die letzten Tage gaben wenig her; Bei meinem Ausflug an die Nachbarwache durfte ich den dortigen RA-Praktikant kennen lernen. Kurz nach Dienstbeginn ging’s gleich zum Verkehrsunfall in die Großstadt, wo zwei PKW einen Ampel-Auffahrunfall fabriziert hatten. Erwartungsgemäß souverän arbeitete mein Kollege den leicht verletzten Patienten ab. Die Ausbildung bei PHTLS-Instruktoren macht doch einfach was her Danach war erstaunlich lange Ruhe, sodass ich den Bonus der Außenwache genießen konnte und das Oldenburger Hallenfussball-Turnier verfolgen konnte. Danach machten wir uns an die Besprechung des „ACS-Algorithmus“, wo sich dann doch noch ein wenig Informationsstoff fand. Zwei Störungen durch verjährte Schlaganfälle unterbrachen zwar, konnten vom guten Lernergebnis (so dankte zumindest der Praktikant) nicht ablenken. An Sylvester ließ ich dann zum ersten Mal seit langem den RTW von einem Zivi bewegen. Wir starteten sportlich mit einer „Synkope“ in einer Gastwirtschaft. Eine 77-jährige war laut Freunden während des Verzehrs ihres Rostbratens synkopiert, hatte danach erbrochen und saß nun zitternd auf einem Stuhl in einem Nebenraum. Prinzipiell wirkte die Dame gefasst, klagte jedoch mehrere Male über Übelkeit, welche Sie im EKG mit Sinusbradykardien um 30/min unterstrich. Aufgrund dieser Symptomatik entschloss ich mich flugs zur Nachforderung der diensthabenden Anästhesistin, verlegte ein 18G-Rohr und verpasste der Dame –nachdem wir sie auf den Boden gelegt hatten – 10l O² via Maske. Der Druck hielt sich mehr schlecht als recht um die 100mmHg, sodass sich eine Nitro-Gabe bei diskreten Hebungen in II, III und aVF verbat. Mit Eintreffen der Notärztin gab es ASS, UFH und Clopidogrel. Nach komplikationslosem Transport konnte sich der Kardiologe weiter um die Dame kümmern, nachdem diese nach unserer Adresse gefahndet hatte, um den Umschlag mit Trinkgeld richtig adressieren zu können. Das ist mir in meiner bisherigen Karriere auch noch nicht passiert… Danach ging’s mit Sonderrechten zum HNO-Notfall, in diesem Fall: Unstilbares Nasenbluten unter Marcumar-Therapie. Der arme Mann stand im weiß-roten Hemd am Waschbecken und versuchte nachhaltig mit blutigen Taschentüchern die Blutung zu vertuschen, jedoch mit geringem Erfolg. In Anbetracht der Situation fackelten wir nicht lange, luden den Mann in unseren RTW, versorgten ihn mit einer Nierenschale als Auffanggefäß, kühlten den Nacken und verlegten abermals ein 18G-Rohr, was bei miserablen Venenverhältnissen glücklicherweise im ersten Versuch gelang. Dann ging’s mit dem kreislaufstabilen Patient unter Voranmeldung in die HNO-Ambulanz, wo wir ihn mit gefüllter Nierenschale übergeben konnten. Mit Spannung kann die kommenden Woche erwartet werden, in der es zwei Kollegen einzulernen gilt (Zivi: erster Tag auf dem RTW – und eine Kollegin aus der Krankentransport gGmbH, die nun auch in der Rettung einen Platz gefunden hat) und der RA-Praktikant an zwei Tagen mit Wissen gefüttert werden muss – sonst wird das nix mit der Urkunde…