Ende mit Hitzewelle….

23. Juli 2010 geschrieben von Jochen

Nach vier Nächten mit den missglückten Versuchen in einer Dachgeschosswohnung  erholsamen Schlaf zu finden hat uns das Regenwetter erreicht. Gestern war für mich nach einer sinnlosen Diskussion mit meinem Wecker dann erst mal Tagdienst angesagt.

Wir starteten 15 Minuten vor Dienstbeginn zu einer stark blutenden Wunde unter Marcumar. Nach 8 Minuten konnten wir einen älteren Herrn in seinem Badezimmer begrüßen, der wohl bis kurz vor unserem Eintreffen  eine diskrete Varizenblutung hatte. Das eingenommene Marcumar mag zwar bei einem INR von 2,5 die Blutungszeit verlängern, nun war die Blutung jedoch vollkommen gestillt. Nach kurzer Diskussion gab’s für den NIDDM-Patienten noch ein Marmeladenbrot, bevor wir gemütlich auf die chirurgische Ambulanz tuckerten. Nach kurzer Pause an der Wache wurden wir in eine Art Schrebergarten-Siedlung geschickt, da dort wohl ein Patient mit „Prolaps“ hilfebedürftig sei. Mit ungutem Gefühl seitens dieser Arbeitsdiagnose verdrängte ich den Gedanken an den eben konsumierten Schokoladenpudding und steuerte den RTW über den 1,5 km langen Feldweg durch besagte Gartenhaussiedlung. Am Ziel angekommen hieß es absteigen; Die restlichen 500m zum Patienten führten über eine abschüssige Pflasterpiste, die definitiv nicht mit den Abmessungen unseres RTW vereinbar war. Wir schnappten unser Equipment, folgten den einweisenden Nachbarn und fanden in einer Art Gartenhütte einen 67-jährigen vor, welcher über massive Rückenschmerzen sowie sensomotorische Ausfälle im linken Bein klagte. Nach kurzer Anamnese forderten wir einen Notarzt zur Analgesie bei „DISKUS-Prolaps“ sowie einen wendigen KTW zur Überwindung der Wegstrecke bis zum Rettungswagen an. Während mein Praktikant den Patient mit einem Zugang versorgte, das Monitoring anlegte und die Anamnese vervollständigte kämpfte ich mich mit Trage, Schaufeltrage, Vakuummatratze und Absaugpumpe vom RTW über die „Rutschbahn“ bis zur Gartenhütte vor. 20 Minuten später erreichte der Notarzt unseren abgelegen Einsatzort und konnte dem Patienten mit 25mg Ketanest S und 2 mg Midazolam die Forderung nach „oinem Woizen“ entlocken. Mit bedeutend weniger Schmerzen bugsierten wir unseren Patienten auf der Schaufeltrage durch die enge Hütte und lagerten auf der Terrasse auf unsere Vakuummatratze um. Von dort ging’s 20m  über Stock und Stein bis zum KTW, welchen ich zwischenzeitlich bis vor die Hütte manövriert hatte. Nun wurde dieser mit Patient, Notarzt und sämtlichem medizinischen Geraffel beladen, was sich nach dem ersten Fahrversuch als unpraktisch erwies. Nach kurzem Umbau kämpfe ich den Sprinter mit Notarzt, Patient und EKG in Richtung RTW, während die restlichen Kollegen schiebend unterstützten. Mit dem RTW ging’s weitere 1,2 km über Stock und Stein durch den Wald, bis wir 3,5 Stunden nach Alarmierung(!) das Zielkrankenhaus erreichten. Auf dem Weg gab’s noch fraktionierte 15mg Dipidolor, was den Patient zu einer Grillabend-Einladung brachte.

Nach dem Einsatz war ein Stop in der Waschhall mit Fahrzeug, Material und Kollegen angesagt. Den Mittag durfte ich aufgrund des kurzfristigen Ausfalls eines Kollegen ebenfalls an der Rettungswache verbringen und mich von Reanimation, BABY-NAW-Verlegung und „Atemnot“ begeistern lassen.

Heute gingen wir’s entsprechend ruhiger an. Nach einer COPD-Patientin dümpelten wir mit Inkubator und Kinderkrankenschwester in eine Geburtsklinik, welche wie so oft ein Problem vermeldet hatte. Auch hier ging’s nach kurzem Geplänkel ohne weitere Maßnahmen zurück nach Hause; das Kind durfte sich auf einer peripheren Station vom Geschaukel in unserem RTW erholen.

Hitzerettung Teil 2….

21. Juli 2010 geschrieben von Jochen

Mittwoch war Tag der Berufsgenossenschaft; Wir starteten 10 Minuten vor Dienstbeginn zu einem örtlichen Großbetrieb. Eine junge Dame war bei der Arbeit bei wohl schon länger bestehendem Unwohlsein synkopiert und in Folge dessen mit dem Kopf gegen eine Wand gestoßen. Bei unserem Eintreffen war sie jedoch schon wieder ansprechbar, kreislaufstabil und neben einem diskreten Hämatom im Bereich des Os frontale unverletzt. Zur Abklärung suchten wir mit ihr primär die internistische Ambulanz auf.

Danach ging’s zu einem Arbeitsunfall in einen ca. 25 km entfernten Betrieb. Dort hatte sich ein Arbeiter den Mittelfinger in einer hydraulischen Presse gequetscht. Glücklicherweise hatte ein Kollege wohl noch den Not-aus-Knopf betätigt, der Finger war dennoch am Endglied massiv komprimiert und schien gebrochen. Ebenso war die Sensibilität der Fingerkuppe verschwunden, der restliche Teil des Fingers schwoll unter massiver Hämatombildung an. Durch die Ersthelfer war bereits ein Verband mit zwei „Eis am Stiel“ angelegt geworden, was in diesem Zusammenhang kreativ anmutet, jedoch durchaus seinen Zweck erfüllt hatte. Momentan ging’s bei unserem kreislaufstabilen Patienten auch noch mit den Schmerzen, sodass wir uns zu einem zügigen Transport in die Handchirurgie entschlossen. Nach entsprechender Voranmeldung machten wir uns auf den Weg, mussten jedoch keine 10 Minuten später die Suche nach einem Notarzt beginnen, da die Schmerzen wohl unerträglich wurden. Das einzige Problem bei diesem Unterfangen war, dass es im Moment keinerlei freie Notärzte in angemessener Distanz gab. Einen Rettungshubschrauber zu binden schien uns die allerletzte Möglichkeit, sodass wir nach Rücksprache das nächste geeignete Krankenhaus auf unserer Wegstrecke ansteuerten, den Chirurg in den Fahrzeughalle empfingen und dem Patienten durch diesen 15 mg Piritramid zukommen ließen. Danach ging’s mit wehenden Fahnen weiter in Richtung der angepeilten Handchirurgie.

Wir waren kaum zurück an der Wache, als es zu einem weiteren Einsatz klingelte, diesmal war der Notarzt ebenfalls mit von der Partie. In einem weiteren örtlichen Großbetrieb hatte sich ein junger Mitarbeiter beim Wechsel eines Heißkleber-Behälters den flüssigen Inhalt über der rechten Hand sowie der Arbeitshose verteilt. Mit sichtlich starken Schmerzen saß er nun im Sanitätsraum und kühlte die Hand im Waschbecken. Die Analgesie stand hier eindeutig im Vordergrund, da der Patient die Schmerzen auf einer numerischen Rating-Skala bei 9/10 angab. Nach fraktionierten 25mg Ketanest S, 2 mg Dormicum und ebenfalls fraktionierten 22,5 mg Dipidolor waren die Schmerzen verschwunden und der Patient sichtlich zufrieden. Kreislaufstabil ging’s mit dem jungen Mann in Richtung plastischer Chirurgie, wo nach entfernen sämtlicher Klebereste lediglich 2a° Verbrennungen festgestellt wurden. Durch die ganze Kleb-Schmodder-Masse war die Beurteilung präklinisch schwerer. Ein Bodycheck ergab keine weiteren Verletzungen im Bereich der Oberschenkel – die Arbeitshose hatte ihre Schutzfunktion erfüllt.

Hitzerettung Teil 1 von X….

17. Juli 2010 geschrieben von Jochen

Bei glühenden 34° C starten wir bereits kurz nach Dienstbeginn zu einem chirurgischen Notfall. Eine Polizeistreife fordert uns zu einem gestürzten Fahrradfahrer an. Der 13-jährige steht seelenruhig unter einem Schatten spendenden Baum. Auf nähere Befragung erklärt er mir, dass er wohl auf das linke Knie gefallen sei, und dieses nun bei Belastung etwas schmerzen würde. Es besteht keinerlei Bewegungseinschränkung, noch sind Spuren einer Hautverletzung erkennbar. Da Laufen ebenfalls problemlos funktioniert weisen wir auf die potentielle Privatrechnung hin, streiten ein wenig mit den Polizisten und fahren mit einem unverletzten Patienten auf Anweisung der Polizei ins Krankenhaus. Im Auto erklärt mir der junge Mann, dass er seine Mutter bisher nicht erreicht hätte, allerdings auch noch keinen telefonischen Versuch gestartet hatte (!?). Beim ersten Anruf meldet sich die Mutter und versichert, unverzüglich ins Krankenhaus zu folgen. Dort angekommen läuft der junge Mann vom RTW in die chirurgische Ambulanz, die Transportkosten in Höhe von ca. 150 Euro trägt die Berufsgenossenschaft…

Wir starten von der chirurgischen Ambulanz mit Sonderrechten zu einem Verkehrsunfall, der sich nur wenige hundert Meter vom Krankenhaus entfernt ereignet hat. Eine Cabrio-Fahrerin war wohl durch die Sonne geblendet worden und in Folge dessen auf die Gegenspur geraten. Nach einem Frontalzusammenprall folgt eine Drehung um 270°, bis der Wagen zum Stehen kommt. Glück im Unglück für beide Beteiligten; Die entgegenkommende Dame ist unverletzt, die Fahrerin des Cabrios mit Schnittwunden am Handrücken glimpflich davon gekommen.

Uns ist ein kurzer Stopp an der mittlerweile auch nicht mehr kühlen Wache genehmigt, woraufhin es zu einer NAW-Verlegung klingelt. Ein 10-jähriger soll von der örtlichen Kinderklinik zum Maximalversorger verlegt werden. Die Diagnose ist nicht gesichert, offensichtlich handelt es sich um ein Epi-oder Subduralhämatom in Folge eines Sturzes. Der junge Mann ist kreislaufstabil, wach und orientiert und erwartet uns im „Intensivzimmer“ der örtlichen Kinderklinik. Die Kinderärztin begleitet den Transport selbst, fragt ob wir eine Blutdruckmanschette und eine Infusionslösung im RTW haben und spart dafür die Übergabe ein – Sie ist ja dabei… Im Auto döst unser Patient ein, was zu einer seitlichen Drehung des Kopfes führt. Der in Folge dessen gestörte zerebrale Abfluss soll durch eine Fixation des Kopfes gesichert werden. Ich schlage den Einsatz eines Klebestreifens vor, die Ärztin wünscht einen Headblock. Auf die Aussage, dass es in unserem Kreis keinen Headblock auf den Rettungswägen gebe, folgt die Antwort „deshalb wollte ich ja einen Notarztwagen“… Die restliche Fahrt wird zur Erklärung der Ausstattung unserer Fahrzeuge und dem Unterschied zwischen KTW, RTW und NAW genutzt, nachdem der Kopf mittels Klebestreifen und Kopfkissen fixiert wurde.

20 Minuten vor Feierabend geht’s mit Notarzt an einen 30 km entfernten Badesee, wo uns eine „HNO-Patientin“ erwartet. 12 Tage nach erfolgter Tonsillektomie blutet es nun wohl mehr oder weniger stark im Bereich des OP-Gebiets. Bei unserem Eintreffen scheint die Blutung nahezu zu stehen, der Notarzt möchte aufgrund seiner wohl traumatisierenden Erfahrungen mit HNO-Patienten mit Sonderrechten zum „Verursacher“, was wiederum 50 km Fahrstrecke in die Gegenrichtung bedeutet. Nach 96km sind wir nach 85 Minuten zurück an der Wache und begeben uns zum verdienten Feierabend.

Am Folgetag ging’s ebenfalls zur besten Hitzezeit zurück in den Dienst, welcher fix mit dem ersten Patienten begann. Ein 62-jähriger Stoma-Patient hatte nach dem Duschen aus seinem künstlichen Darmausgang geblutet und uns in Folge dessen alarmiert. Bei unserem Eintreffen war die Blutung bereits zum Stillstand gekommen, aufgrund des doch ansehnlichen Blutverlustes und des geröteten Darmausganges entschlossen wir uns dennoch zum Transport auf die chirurgische Ambulanz. Neben dem Highlight der Kollegen an diesem Tag („juckende Kopfhaut) blieb’s den Mittag über ruhig.

Frohes Schwitzen!

8. Juli 2010 geschrieben von Jochen

So, nun sind die letzten 6 Arbeitsstunden für diese Woche auch vollbracht. Der Tag hatte wie so oft wenig Spannendes zu bieten. Nach einer ausgiebigen Runde im EDV-Raum klingelte gegen 9 Uhr zum ersten Mal der Melder. Die Leitstelle schickte uns in einen Nachbarort, wo es eine Atemnot zu therapieren galt. Beim Eintreffen erinnerte ich mich an einen in diesem Haus wohnenden COPD-Patienten, den wir eines Nachts im Winter in die 60km entfernte Lungenfachklinik geschippert hatten – der Name passte aber so gar nicht…

Im Treppenhaus ging’s dann auch an der bekannten Tür vorbei, bis wir im Dachgeschoss auf eine 54-jährige Dame trafen, die uns ebenfalls mit ihrer Sauerstoffbrille begrüßte.  Nach kurzer Vorstellung konnten wir erfahren, dass sich die Situation über die vergangenen Tage verschlechtert hatte, konkret klagte die Patientin über zunehmende Dyspnoe (trotz 4l/min Sauerstoff aus ihrem Heimsauerstoffgerät) und eine „Kreislaufschwäche“. Die COPD hatte bei ihr vor 11 Jahren eingesetzt, woraufhin sie vor 4 Jahren mit dem Rauchen aufgehört hatte. Sonst war sie laut eigenen Angaben körperlich gesund. Als Dauermedikation gab’s die COPD-Packung mit Ventolair, Bronchoretard und Fenoterol, für das Herz-Kreislaufsystem Spirolacton und Ramilich.

Unter den seit Wochen laufenden 4 Litern Sauerstoff konnte die Patientin Sättigungswerte um 95% erzielen, die Lungen waren bei leisen Atemgeräuschen beidseits frei. Im EKG zeigte sich ein Bigeminus, welcher später in einen Sinusrhythmus mit diversen ventrikulären Extrasystolen wechselte. Der Blutdruck bewegte sich um die 120/70 mmHg, die palpable Herzfrequenz lag um die 90/min.

Da wir keinen akuten Interventionsbedarf sahen, entschlossen wir uns zum Transport in die nahe gelegene „Innere mit Kardiologie“. Unter fortlaufenden 4 Litern Sauerstoff gab es noch ein wenig Ringer-Laktat-Lösung. Auf der Inneren Notaufnahme durften sich Internist und Kardiologe auf die Patientin stürzen, was angesichts diverser Famulanten auch nicht lange auf sich warten ließ.

Nach kurzer Ruhepause ging’s mit Sonderrechten in die Schule – nicht wegen unserer orthografischen Leistungen auf den Notfallprotokollen, sondern aufgrund einer Hyperventilation.

Eine 9-jährige Löwin hatte wohl ein wenig wild beim Urwaldspiel teilgenommen und nach dem Fangen von drei weiteren Löwen und zwei Affen die eigene Atmung nicht mehr ganz im Griff gehabt, was zum spontanen Spielausschluss geführt hatte. Nun lag die junge Dame umringt von 4 weiteren Schulklassen während der großen Pause auf dem Hof, sodass wir uns flott in den RTW zurückzogen. Dort versuchten wir mit der anwesenden Mutter sämtliche Tricks – 90% der präklinischen Hyperventilationen bekommt man so ja relativ locker in den Griff. Hier ging’s zwar meist ein Stückchen voran, dann kam aber wieder ein Rückschlag, sodass wir letzen Endes die Kinderklinik aufsuchen mussten, wo nach 200mg Ibuprofen und 5 mg Diazepam Ruhe war.

Den Abschluss bildete eine 87-jährige, die die Kellertreppe weit über der zulässigen Gesamtgeschwindigkeit passiert hatte. Das Resultat zeigte sich in Form einer Kopfplatzwunde und einem kleinen Hämatom im Bereich des rechten Humerus, welcher jedoch wohl keinen weiteren Schaden genommen hatte. Obwohl die Dame mehr als fit war konnten wir sie zur chirurgischen Wundversorgung überreden, nach 4 Stichen im Krankenhaus ging’s mit der Tochter wieder nach Hause. Nun geht’s ab ins WochenendeJ!

7. Juli 2010 geschrieben von Jochen

Schon wieder ist eine Woche ins Land gegangen und der Studienvergabe-Poker geht in die nächste Runde. Nach Rücksprache mit Tübingen und schüchternem Blick nach Heidelberg durfte ich feststellen, dass ein TMS von 1,0 (98%) in Deutschland ungefähr genau so viel wert ist wie ein Sandkorn in Afrika. Es heißt weiterhin passend zum Titel „warten, warten und noch ein wenig warten“. Mittlerweile wäre ich mir dank der Bedenkzeit sicher, dass ich das Medizinstudium wie bereits vor 10 Jahren wirklich will, wenn die ZVS-Kasper allerdings noch ein paar Scherze auf Lager haben wird sich das eventuell in ein paar Jahren ändern. Herrn Rösler hätte ich beim letzten Berlin-Besuch in der Kantine des Gesundheitsministeriums wohl auch besser gleich zwischen Kartoffelsalat und Hähnchenflügel gestellt. Nun gut, Kopf hoch und munter ins nächste Wartesemester, uns geht’s ja nicht schlecht.

Rettungsdienstlich ist gerade auch mal wieder Flaute. An der Wache sind die Reinigungskräfte das aktuelle Ziel jeglicher bösartiger Bemühungen. Wenn wir nicht gerade mit EDV-Eingabe beschäftigt sind werden Toilettendeckel mit Datumszahlen markiert oder Fehlermeldungen ausgefüllt, die auf Ihrem Weg zum Oberchef jedoch beim Wachenleiter aussortiert werden. Wir warten erst mal, die sich die süßen kleinen Tiere anständig vermehren – schließlich muss man auch verstehen, dass die Reinigungskräfte einen schweren Job haben. Unterbrochen wurde dieses lustige Treiben von 2 Fahrten – einmal durften wir frühen Morgen eine 92-jährige auf die chirurgische Ambulanz schippern, deren Auslandskrankenversicherung vor knapp 15 Monaten abgelaufen war. Ähnliches gilt für die Aufenthaltsgenehmigung. Aktuell war das Problem jedoch nicht bürokratischer, sondern eher medizinscher Natur (das bürokratische folgte im direkten Anschluss…). Ein verkürztes, außenrotiertes Bein macht Schmerzen und sollte, auch wenn der Schwiegersohn wohl anderer Meinung war, von einem Chirurgen versorgt werden. Gegen Mittag durften wir aus dem Nachbarstädtchen noch eine 70-jährige vom Hausarzt ins passende Krankenhaus transportieren, welche davor laut Arzt mehrfach synkopiert sei. Die Patientin klagte über Oberbauchschmerzen, welche bei Palpation im rechten oberen Quadranten zunahmen. Zusätzlich erbrach sie mehrfach biliär, hatte wohl auch ein bekanntes Steinleiden und beschrieb einen intervallartigen Schmerz. Von Kreislaufschwäche oder Bewusstlosigkeit wusste sie nichts zu berichten. Ohne weitere Diskussion machten wir uns auf den Weg ins laut Hausarzt nächste geeignete Krankenhaus, was 25km entfernt lag. Der Transport verlief problemlos.

Das vergangene Wochenende war durch unser Wachenfest gekrönt, welches mich auch von einem früheren Bericht abhielt.  Am Sonntag ging’s morgens um sieben dann wieder nüchtern an den Start, um in den nächsten 12 Stunden 7x 500ml Ringer-Laktat zu verbrauchen. In den wirklich heißen Tagen waren die meisten Menschen wesentlich besser mit ihrem Kreislauf in Schwung, als an diesem eher gemäßigten Tag. Trauriges Highlight war eine Reanimation am Rand der Bundesstraße. Nach etwas längerer Sucherei aufgrund ungenauer Ortsangabe konnten wir nach 6 Minuten einige Fahrzeuge erkennen, hinter denen unser Patient auf einem Grünstreifen lag. Ein Passant hatte von der Leitstelle Instruktionen erhalten und führte bereits Thoraxkompressionen durch, welche von uns übernahmen wurden. Im weiteren Verlauf wurde der Patient mehr als 15 mal defibriliiert, im Krankenhaus lysiert, mit etlichen Katecholamin-und Antiarhrythmika-Dosen versorgt und verstarb letztendlich nach langer Reanimation mit 47 Jahren auf der Intensivstation.

Etwas spaßiger ging’s gestern zu, als wir in eine Berufsschule gerufen wurden. „Sturz mit Schnittverletzungen“ hieß der zu absolvierende Programmpunkt. Im „Sani-Raum“ fanden wir ein 14-jähriges italienisches Dickerchen vor, welches heulend hyperventilierte und offensichtlich am linken Daumen verletzt war. Dort konnte im Handbereich ein durchbluteter Druckverband ausgemacht werden, sonst war der junge nach Treppensturz unverletzt. Das in der Hand gehaltene Glas hatte mehr Pech gehabt und war wohl in mehrere Stücke zersprungen. Nach kurzer, deutlicher Ansprache konnten wir ihm seine Todesangst ein wenig nehmen – an einer 3cm langen Schnittwunde stirb man, so lange sie im Bereich des Daumens ist – in aller Regel nicht, auch nicht als adipöser Südländer.

Nach Anlegen einer Blutsperre bewaffneten wir uns mit Verbandsmaterial und inspizierten die Wunde – auf dem Daumengrundglied zeigte sich eine tiefe Schnittwunde, ein kleines Gefäß schien ebenfalls verletzt. Bei erhaltener Funktion und Sensibilität legten wir einen sportlichen Druckverband an und gaben die Order aus, die Hand der Schwerkraft entgegen nach oben zu halten. Auf dem Weg ins Krankenhaus hatte ich das Vergnügen hinten zu sitzen. Ich dachte, die berühmte Karte für diesen Tag wohl gezogen zu haben. Als es auf der chirurgischen Ambulanz dann allerdings an die chirurgische Versorgung des Kratzers ging, wusste ich, dass die Karte des Chirurgen wohl noch um etliche Male größer gewesen sein musste…Glücklicherweise durfte ich mich in Richtung des nächsten Einsatzortes aus dem Staub machen, um mir das Geschrei nicht weiter anhören zu müssen…

Nun steht morgen ein letzter, hoffentlich ruhiger Dienst an, bevor es ins verlängerte Wochenende geht.

Guter Start in die neue Woche

30. Juni 2010 geschrieben von Jochen

Die neue Woche hat gleich mal anständig begonnen. Nach sechs Arbeitsstunden hatten wir 4 Einsätze beisammen, den RTW innen und außen gereinigt und 2 Artikel in der Notfall-und Rettungsmedizin gelesen. Zuerst sammelten wir eine ältere Dame ein, die seit 23 Uhr am Vorabend über Bauchschmerzen klagte. Nach genauerer Anamnese kristallisierte sich ein konstanter, druckdolenter Flankenschmerz auf der rechten Körperseite heraus, welcher wohl recht plötzlich einsetzte und nun den Schmerzcharakter wohl nicht verändert hätte. Erbrochen und Durchfall hatte sie nicht, von einer Blutung im GI-Trakt hatte sie ebenfalls nix bemerkt. Das Abdomen war weich, von der Palpitation war sie wie oben bereits beschrieben wenig entzückt, ein p.m. war grob im Bereich der Gallenblase zu erahnen. Neben einer Appendektomie vor Jahrzehnten war der Bauchraum wohl bisher unauffällig, eine arterielle Hypertonie und ein NIDDM vom Hausarzt wohl gut eingestellt. Ohne große Faxen tuckerten wir mit der stabilen Patientin unter der wenig spannenden Anmeldung „unklares Abdomen“ auf die Innere Ambulanz, wo uns der heute wieder überaus freundliche Internist empfing. Nach kurzer Diskussion hatten wir ihn dann auch von der Notwendigkeit einer Klinikaufnahme überzeugt – Sono und Labor machen nun nicht wirklich die Monsterarbeit, zudem hatte der Tag ja gerade erst angefangen.

Im Anschluss düsten wir mit Sonderrechten zu einer Synkope. Die Kommunikation mittels Gegensprechanlage vermittelte bereits einen etwas entspannteren Eindruck, und der Patient war letztlich wohlauf. Mit 38,5°C darf man als älterer Herr nach durchwachter Nacht ja morgens auch mal eben aus den Pantoffeln zurück aufs Bett sinken. Nach kurzer Abklärung kamen wir dem Wunsch des Patient „selbst zum Hausarzt zu gehen“ nach und empfahlen uns.

Auch der dritte Putzversuch wurde an der Wache jäh unterbrochen, diesmal war laut Display eine Reanimation geboten. Nach 4 Minuten enterten wir eine Wohnung, fanden eine 64-jährige leblos in Ihrem Bett und einen 50-Jährigen „Helfer vor Ort“ putzmunter davor auf. Mit vereinten Kräften schleppten wir die Dame ins Wohnzimmer, wo sich einiges an Platz bot und begannen mit einer Tätigkeit, die als Mega-Code bezeichnet werden kann. Dann kam ungeschickterweise auch schon der Notarzt, welcher beim dritten Versuch erfolgreich intubierte, Kapnometrie und Auskultation als lästig empfand und 2x 2mg Suprarenin über seinen 7,5-Tubus e.b. applizierte. Wir hätten ja auch ein wenig Zeit für eine liebevolle Venenpunktion oder eine intraossäre Punktion… Nach diesem mehr oder weniger katastrophalen Reanimations-Klassiker wurde der Versuch 12 Minuten nach Beginn der Herzdruckmassage abgebrochen. Wir verabschiedeten uns beim Ehemann und NEF-Fahrer und verließen mit einem innerlichen Kopfschütteln die Einsatzstelle. Der Strich bei „Katastrophen-Reanimation“ ist ihm sicher.

Zum Abschluss düsten wir in eine städtische Grundschule, da dort wohl ein Asthma-Anfall geboten war. Vor dem Rektorat fanden wir eine 8-jährige in Schocklage vor, die auf nähere Befragung über „ ein bisschen Kopfschmerzen“ klagte. Die Lehrerin wusste von Seilspringen im Pausenhof zu berichten, welches eine von der jungen Patientin als „pulmonale Enge“ beschriebene Atemnot verursacht hatte. Diese hatte die junge Patientin mit einigen Hüben eines inhalativen Kortisonpräparats therapiert, welches ihr Vater (selbst Asthmatiker) ihr als Notfallspray verordnet hatte. Es stellte sich die öfters auftretende rettungsdienstliche Ziwckmühle:

Kind wieder gesund, von der einmaligen Einnahme eines Kortisonpräparats geht eine als niedrig einzustufende Gefahr aus, die keine Klinikeinweisung rechtfertig. Demgegenüber stehen zwei völlig überforderte Lehrerinnen, die die Eltern der jungen Dame nicht erreichen können. Nach Rücksprache mit der in diesem Zusammenhang sehr hilfsbereiten Kinderklinik entschlossen wir uns zum Kliniktransport, wo der Patientin nach kurzer Untersuchung ein Schulungsangebot im Rahmen der Asthma-Therapie angeboten wurde und die Abholung durch die Eltern organisiert wurde. So lang gab’s ein Plätzchen auf dem Gang, was zu Trinken und eine FSJ’lerin zum Spielen. Hut ab.

kleines Update

21. Juni 2010 geschrieben von Jochen

Auch wenn eine Freiwoche nicht allzu viel rettungsdienstlich Interessantes verspricht möchte ich euch trotzdem nicht eine Woche auf die Berichte zur nächsten RTW-Schicht warten lassen.

Die letzte Nacht gab nochmal ein wenig Anlass zum vervollständigen der „Nicht-indiziert“-Liste. Innerhalb von 4 Stunden hatten wir von 5 Patienten 2 transportiert. Erste Kandidatin war eine ältere Dame im Pflegeheim, die aus ihrem Bett gerutscht war und sich hierbei ein diskretes Hämatom am rechten Unterarm zugezogen hatte. Da allerdings weder Patientin, Tochter oder Pflegekraft eine Transportindikation sahen, entschlossen wir uns zur Fehlfahrt. Bei schmerzfreier Patientin, die keinerlei Bewegungseinschränkung oder Gefühlsstörung aufwies, verwiesen wir auf Kühlung und Beobachtung des Hämatoms und empfahlen uns. Auf dem Heimweg sollten wir einen 18-jährigen mitnehmen, der wohl zu viel Muttermilch getrunken hatte. Auf einer Wiese fanden wir eine Gruppe von ca. 20 Jugendlichen, unser Patient saß auf einem Bänkchen und hatte wohl erbrochen. Nachdem wir uns mit ihm in den RTW verzogen hatten (zu Fuß – ohne Stütze) nervte uns der ebenfalls angeheiterte Freund des Patienten. Dieser wusste zu berichten,dass er in ähnlichem Zustand die innere Notaufnahme des zuständigen Krankenhauses beglückt hatte, was damals wohl nahezu kostenfrei abgelaufen war. Zudem seien weder er noch seine Freunde in der Lage, unseren Patienten nach Hause zu bringen. Nach dieser Aussage erklärte ich ihm die aktuelle Situation im Gesamtzusammenhang, erzielte ein „leider nicht möglich“ bei den Eltern und klärte die Situation nach weiteren 20 Minuten in Anwesenheit von 3 Streifenwagen, wovon einer den Patienten nach Hause kutschierte. Der Rest der Bande räumte unter Aufsicht den geschändeten Grillplatz picobello auf. Rechnung für das blaue Taxi folgt – Prost.

Gegen Morgen wurden wir noch zu einer Atemnot alarmiert. Ein 85-jähriger saß angestrengt auf seinem Bett und wusste zu berichten, dass er bereits mit dieser Atemnot aufgewacht sei. Anamnestisch ließ sich unter anderem ein stationärer Krankenhausaufenthalt vor einem Monat im Rahmen eines NSTEMI sowie einer massiven Pneumonie erheben. Die aktuell schlechte Sättigung von 82% hatten wir bei kreislaufstabilem Patient mit ein wenig Sauerstoff schnell im Griff und konnten uns nach Anlage einer 22G (!)-Viggo mit VAG bds. auf den Weg ins Krankenhaus machen. Das war die insgesamt vierte von 7 Nächten, die den Feierabend durch einsatzbedingte Überstunden heraus gezögert hatte…

Nun stehen noch 3 Tage Weiterbildung für „medizinische Fachangestellte“, „pharmazeutisch-technische Assistentinnen“ und „zahnmedizinische Fachangestellte“ an. Auch hier gibt’s hin und wieder interessante medizinische Zusammenhänge zu erleben…

18. Juni 2010 geschrieben von Jochen

Sechs von sieben Nächten sind geschafft, und die Vorzeichen stehen für die Letzte gut. Guter Kollege und guter Notarzt sowie ausgiebiges Abendessen versprechen entspannte restliche 12 Stunden. Die Woche über habe ich versucht ein wenig Protokoll zu führen, um eine statistische Auswertung zur Sinnhaftigkeit unserer Einsätze zu erhalten. Fazit einer ruhigen Nachtschichtwoche: 20 Einsätze in 6 Nächten, davon 2 Notarzteinsätze. Indiziert davon: 0 Notarzteinsätze, 8 RTW-Einsätze.

Nach dem Fußballspiel starteten wir gestern zu einer KTW-Einweisung. Im Anschluss ging’s in einen Teilort, wo eine 17-jährige wohl ein wenig zu viel ASS gevespert hatte. Die laut psychisch labiler Patientin zu therapierenden Spannungskopfschmerzen waren nach Einnahme von 7 g (!) Acetylsalicylsäure verschwunden, ein seit der Jahreswende bestehender Abusus diverser NSAID und MCP-Tropfen rückte in Anbetracht der aktuellen Menge in den Hintergrund. Wir waren wohl ca. 2 Stunden nach Giftaufnahme auf den Plan gerufen worden, erbrochen hatte die Dame noch nicht. Bei stabiler Hämodynamik und fehlender neurologischer Symptomatik konnten wir mit der Patientin nach Anlage eines PVZ in Richtung Kinderklinik verschwinden, was mir weitere 15 Minuten Psycho-Geplapper einbrachte. Faszinierend, wie ein Hausarzt diese Problematik wohl über Monate übersehen konnte. Kurz vor dem ersten Schlafversuch wurde der Rettungsdienstbereich nochmals aufgescheucht – für uns gab’s einen Notfalleinsatz in 3 Minuten Entfernung. Nach dieser kurzen Anfahrt warteten wir 7 Minuten vor der verschlossenen Haustür eines Mehrfamilienhauses, die sich vom „Tür-Summer“ nicht beeindrucken ließ. Nach Analyse des Problems durch den Ehemann der Patientin konnten wir uns zur Patientin durchkämpfen. Die 85-jährige Dame hatte seit ca. 2,5 h Kopfschmerzen und in dieser Zeit bereits zweimal zur Toilette müssen, was einem Zusammenbruch des Weltbilds gleich kam. Ebenso war seit ca. 5 Tagen ein atemabhängiger Thoraxschmerz aufgetreten, der vermutlich in Zusammenhang mit der Rippenserienfraktur vor 5 Wochen stand. Das eigenständige Absetzen des in diesem Zusammenhang eingesetzten Morphin-Präparats war nach Lektüre des Beipackzettels zwar verständlich, medizinisch jedoch wohl wenig sinnvoll. Neben dieser harmlos anmutenden Symptomatik imponierte eine psychisch labile ältere Dame, welche jegliche Aktion unsererseits mit großer Genugtuung verfolgte und sich auf die Gabe von 1l Sauerstoff auch kurzzeitig beruhigte. Der Schaumstoff der Nasensonde behinderte die Atmung jedoch im weiteren Verlauf derart, dass wir haarscharf an einem Erstickungsanfall mit massiv panischer Patientin vorbei schrammten. Das Hauptproblem waren im weiteren Verlauf nun nicht mehr Kopfschmerzen oder Atemnot, sondern der trockene Mund, welcher der Patientin einen weiteren Todeskampf abverlangte. Nach erfolgreicher Abwehr dieser Gefahr konnten wir die Patientin nun endgültig auf der Inneren Ambulanz abliefern, von wo aus sie nach 90 Minuten den Heimweg per Taxi antreten konnte. Nach erholsamen 2 Stunden Schlaf ging’s gegen Morgen noch zu einer 52-Jährigen, welche sich im Bett das Sprunggelenk verknackst hatte und selbiges nun nicht mehr belasten konnte. Auch hier war nach Anwendung eines Kühlpacks sowie einer Kurzzugbinde nicht allzu viel weiteres notfallmedizinisches Geschick gefragt, sodass wir auch hier nach kurzer Versorgungsphase in Richtung Klinik düsen konnten.  Bereits in der vergangenen Nacht hatten wir gegen 1 Uhr das Vergnügen unseren Jung-Notarzt bei einer kindlichen Atemnot zu erleben. Wir hatten ca. 2 Minuten Vorsprung vor dem NEF, sodass wir den Patienten samt Mutter bereits vom Straßenrand auf die Trage beordern konnten. Der mit 4,5 Jahren wohl schon Krupp-erfahrene junge Mann hatte von der Mutter bereits ein Prednisolon-Suppositorium erhalten, schnaufte suffizient bei guter Sättigung (SPo2 299%, 160bpm) und bellte munter vor sich hin. Mit Ausnahme des Bellens stand unser Notarzt ihm in nichts nach, konnte sich dann jedoch zur inhalativen Anwendung von Suprarenin durchringen. 10 Minuten später waren wir in der Kinderklinik und konnten Beide ohne Bellen an die wartende Pädiaterin übergeben. Trotz diverser Dispute bezüglich der Dosierung hatte sich die 50/50 Mischung mal wieder als suffizient dargestellt und die Herzfrequenz in keinster Weise negativ beeinflusst.

Nun geht’s fix zur letzten Nacht. Hoffen wir, dass wir in der Statistik noch ein wenig in der Spalte „indiziert“ punkten können….

10. Juni 2010 geschrieben von Jochen

Kurz vor dem Wochenende noch mal ein Rapport aus dem schwitzenden Süden der Republik. Ein Spät-und zwei Frühdienste liegen hinter mir, die wenig Spektakuläres zu berichten hätten. Highlight am Dienstag war ein Notarzteinsatz auf dem Gelände einer Gärtnerei, auf dem der soeben dort angekommene LKW-Fahrer aus Litauen Schweißausbrüche erlitten und den Umstehenden mitgeteilt hatte, dass er massive retrosternale Schmerzen habe. 8 Minuten später lag er in unserem RTW, wurde umgehend verkabelt und erhielt bei St-Hebungen in V1-V4 Sauerstoff, 500mg Aspirin, 5000 IE UFH, 600mg Clopidogrel, 20 mg MCP, 8mg Metoprolol und 30 mg (!) Morphin, was zu einer weitgehend Schmerzfreiheit führte. Ohne hämodynamische Auswirkungen steckte er diesen iv-Cocktail in Kombination mit 1,2mg Nitrolingual (das Clopidogrel gab’s natürlich auch per os…) weg. An Cardiovaskulären Risikofaktoren imponierten bei nahezu unmöglichem weitere Anamnesegespräch Adipositas sowie ein massiver Nikotinabusus. Nach fixer Versorgung ging’s über die Notaufnahme in Richtung Kathetertisch, wo ein proximaler RIVA-Verschluss rekanalisiert und mittels BMS versorgt werden konnte.

Gestern betrieben wir ein wenig hausärztlichen Vetretungsdienst und sammelten Übelkeit, Erbrechen, Schwindel und dekompensierte Rechtsherzinsuffizienz in dieser Reihenfolge ein. Nach fünf Fahrten hatten wir einen Altersdurchschnitt von 78 Jahren erzielt.

Heute musste („durfte“ wäre nicht ehrlich..) mit unserem fast fertigen RAiP an den Start. Nach frühmorgendlichem fahrzeugcheck sowie Routinedesinfektion störte mich der Melderton bei der Bearbeitung der EDV-Berichte. Ein Sturz im Nachbarstädtchen wollte versorgt werden. Beim Betreten der Wohnung, welche vom volljährigen Sohn der Patientin rauchend geöffnet wurde, rumpelte es abscheulich hinter der Esszimmertür, gefolgt von einem deutlichem Schmerzenslaut und einem weniger freundlichen „ich hab dir doch gesagt du sollst liegenbleiben!“. Eine 50-jährige Dame war offensichtlich beim Versuch aufzustehen ein weiteres Mal in sich zusammengesackt und in Folge dessen gegen einen Schrank geprallt. Auf der geistigen To-Do-Liste ergänzten wir „Kreislauf“ und näherten uns dem medizinischen Problemfeld. Wie sich später herausstellte war die examinierte Intensivschwester nach einem die Nacht dauernden Streit mit ihrem Sohn von diesem gegen eine  Tischkante gestoßen worden und in Folge dessen gestürzt. Dabei hatte sie sich eine Prellung im Bereich der linken Niere zugezogen. Das Kreislaufproblem war in dieser Form wohl nicht unbekannt und trat wohl regelmäßig vor dem ersten Morgenkaffee auf. Während mein Kollege die Dame untersuchte lockte ich den Sohn ins Treppenhaus, um meinem Kollegen ein paar Sekunden Ruhe zu verschaffen. Im weiteren Verlauf zeigte sich eine diskrete Prellmarke paravertebral Höhe Th12, diese verweigerte jedoch nach mehrmaliger Rücksprache und Aufklärung über sämtliche Risiken vollkommen geschäftsfähig den Transport. Unter der Maßgabe eine Intensivschwester vor mir zu haben akzeptierte ich die Entscheidung kopfschüttelnd. 4 Stunden später trafen wir uns auf der Chirurgischen Ambulanz wieder, wo sie nach 1 Stunde mit einer Beckenprellung sowie eine angebrochenen 12ten Rippe entlassen wurde. Wir schipperten derweil Dialysepatienten in fremde Landkreise und hatten das Vergnügen, einen 10-jährigen zu verarzten. Nach Anfahrt mit Sonderrechten fanden wir den jungen Mann auf einem Massagesessel vor, die Mutter erzählte etwas von Schmerzen in der linken Schulter, die nicht auszuhalten wären. Der wenig beeindruckte junge Mann ließ sich dagegen etwas bitten, um die Problematik zu schildern. Nach gemütlichen Lümmeln mit Armstütze waren nun wohl Schmerzen zwischen linkem Schulterblatt und Schulter aufgetreten. Nach mehrmaligem Hinweis, den Weg ins Krankenhaus doch vielleicht nicht im Rettungswagen zurück legen zu müssen, drohte das Ed-Hardy-Shirt mit Rechtsanwalt und Sohn mit stärksten Schmerzen. Im weiteren Verlauf entstand eine hitzige Diskussion zwischen Chefarzt der Unfallchirurgie und Mutter über die Kostenübernahme, der junge Patient war in der Zwischenzeit wie erwartet vollkommen genesen. Post Mahlzeit. Morgen gibt’s noch einmal 7 Stunden Spätdienst zu erledigen, bevor die 7 Nächte anstehen. Bis dahin transpirieren wir noch den ein oder anderen Liter…

8. Juni 2010 geschrieben von Jochen

Nach einer intensiven Weiterbildungswoche stand gestern nun wieder ein anstrengender Tagdienst auf dem Programm. Ich durfte mit meinem geliebten Praktikanten an den Start gehen, welcher sich jedoch aufgrund fehlenden Einsatzmittels um ca. 20 Minuten verzögerte. Nach Verspeisen meiner Miracoli-Packung (genauer genommen des Inhalts…) kam dann auch mein Rettungswagen zurück an die Wache und stand vorerst mal für 4 Stunden still. Während dieser absoluten Einsatzflaute konnte ein wenig EDV aufgearbeitet, die Wache in Schuss gebracht und ein ausgiebiges Sonnenbad genommen werden. Die neue Ausgabe der Rettungsbild imponierte in dieser Zeit abermals als Klatschblatt, was keine weitergehende Lektüre wert ist.

Um kurz vor 18 Uhr durften wir dann mit Sonderrechten zu einem chirurgischen Notfall düsen. Nach kurzer Irrfahrt durch eine Einbahnstraße, die auf abenteuerliche Weise zugeparkt war, konnten wir unseren Einsatzort ausmachen. Mein Praktikant schnappte sich den Kreislaufkoffer und enterte die Wohnung, ich durfte – wie sich das für einen Notfalleinsatz wohl gehört – Atmungskoffer und EKG nachholen. Als ich es dann auch in den ersten Stocks geschafft hatte, saß ein ca 50-jähriger Mann entspannt auf einem Sofa, den rechten Daumen hatte er in ein Küchenhandtuch gewickelt. Beim Abräumen der Teller hatte er sich wohl durch eine scharfe Kante am Porzellan eine tief, spritzende Blutung am rechten Daumen zugezogen und diese sofort mit eben diesem Handtuch abgedrückt. Nach Bereitstellung sämtlicher Verbandsmaterialien nebst Blutsperre etc. trauten wir uns, das besagte Handtuch zu entfernen, was den Blick auf …(Trommelwirbel) …eine ca. 1 cm breite Schnittwunde im Bereich des rechten Daumens freigab. DMS opB, die Schnitttiefe war soweit beurteilbar nicht allzu erschreckend. Nach kurzer Wundversorgung  begaben wir uns in Richtung Fahrzeug, mein Praktikant musste sich eine weitere Wissenslücke in Bezug auf eine Thrombozytopenie eingestehen und wir konnten endlich in Richtung Krankenhaus düsen. Dort gab’s in LA zwei Stiche, und der arme Mann konnte den Weg nach Hause antreten.

Mehr gibt’s momentan leider nicht zu berichten, vielleicht hält der Rest der Woche noch was Spannendes bereit.