Annas Geschichte von Ivan dem rasierten Kater hat mich daran erinnert, dass es eine Geschichte unserer “Auswanderung” gibt, die ich unbedingt noch aufschreiben muss.
Wir haben vor zwei Jahren nicht nur unseren gesamten Hausrat und uns selbst exportier, sondern auch unseren Kater. Wahrscheinlich ist es einfacher ein Kilogramm Plutonium von Deutschland nach Schweden zu bringen als fünf Kilogramm Europäisch Kurzhaar. Für Menschen herrscht innerhalb der EU Freizüggigkeit, nicht so für Katzen. Schweden hat einen lustigen Katalog an Forderungen die man erfüllen muss, bevor man eine Katze durch den Zoll tragen darf. Selbstverständlich müssen alle Impfungen erledigt sein, darunter auch eine gegen Bandwürmer, die sonst nicht üblich ist. Darüberhinaus reicht eine nachgewiesene Tollwutimpfung nicht aus, man braucht eine Titerbestimmung aus einem anerkannten Labor. Das setzt natürlich voraus, dass man dem Kater irgendwie Blut entlockt, dafür muss man ihn rasieren und dafür wiederum in Narkose versetzen. In der gleichen Sitzung wurde unser getigertes Monster auch gleich noch gechipt, weil das die Voraussetzung für einen “EU-Heimtier-Ausweis” ist. Damit bekam der Kater das teuerste Ausweisdokument in der Familie.
Nun war unser Plan so, dass mein Schatz mit den Kindern und Oma mit dem Auto vorfahren, ich das Einladen unseres gesamten Krams durch das Umzugunternehmen überwachen, das Haus für die Übergabe klarmachen und dann mit dem Flieger nachkommen sollte. Mit Katze! Wie transportiert man eine Katze im Flugzeug. Die schwedische Fluggesellschaft SAS hat ein prima Callcenter, wo man auch nur zehnmal anrufen muss um eine Antwort auf diese Frage zu bekommen. Katze = Handgepäck extra und kostet €50,- zu bezahlen bar Kralle am Flughafen am Lufthansaschalter (tolle Logik). Prima! Aaaaber, die Tasche in der die Katze während des Fluges wohnt darf nicht grösser sein als AxBxC cm (wer die Masse wissen will möge bitte bei SAS anrufen, ich habe das verdrängt). So eine Tasche zu finden hat mich drei Wochen gekostet, ungelogen.
Nun bin ich nunmal Anästhesist und ich hatte keinesfalls vor den Flug, bzw. die Flüge (Umsteigen in Stockholm) mit einem schreienden Kater zu verbringen, mich anstarren und als Tierquäler beschimpfen zu lassen. Da musste es doch etwas geben. Ich habe also unseren Tierarzt gefragt, was ich dem Mistvieh unserem Liebling denn spritzen könnte damit er die Sache verschläft… böser Fehler! “Sie können dem Tier doch keine Narkose machen, nur weil sie fliegen wollen…!” Gedacht habe ich: “Wieso denn nicht du Depp, du hast ihm gerade eine Narkose gemacht um ihm Blut abzunehmen???”, gesagt habe ich: “Schade… haben sie eine Empfehlung?”. Bekommen habe ich dann zwei verschieden Tabletten die ein Vermögen gekostet haben. Der Testlauf war so lala, müde war er, aber nicht so richtig. Deswegen habe ich eine Bekannte angerufen, Tierärztin, mit einem Anästhesisten verheiratet (das hat irgendwie das Verständnis getriggert) und nochmal gefragt was man so geben kann. “Fang an mit 5mg Diazepam subkutan und kuck mal was passiert…” Now we’re talking! Genau sowas wollte ich hören! Am Tag des Fluges hat der Kater dann die doppelte Dosis von diesen doofen Tabletten bekommen und ist auch brav eingeschlafen, allerdings war er nach etwa 45 Minuten wieder wach, das war noch auf der Autobahn auf dem Weg zum Flughafen. Klasse! Also Nägel mit Köpfen, bevor ich mein Gepäck aufgegeben habe (weil ich keine Nadeln mit in die Kabine schmuggeln wollte) habe ich mitten in der Abflughalle eine Ampulle Diazepam aufgezogen und dem ungemein schlecht gelaunten Katzentier 5mg unters Fell gejagt. Nach zehn Miuten war Ruhe im Karton bzw. der Tasche. Das hat etwa zwei Stunden gehalten und gerade als ich mir in Stockholm eine Pizza genehmigen will wacht der gnädige Herr auf, randaliert in seiner Tasche und haut mir durch das Netz hindurch seine Krallen in den Unterschenkel und das ganz ohne Ketanest.
Da habe ich mich wie der letzte Junkie mit meinem Kater auf die Toilette zurückgezogen und ihm noch einen Schuss gegönnt. Drei Stunden später als wir in unserem Haus angekommen waren, war er wieder wach und hat eine ganze Dose Katzenfutter vertilgt… nur die Harten komm’ in’ Garten!