Hallo Station, hier bin ich…

Ja, die Stationsarbeit hat uns wieder…noch ein letztes Mal als Schüler, obwohl es sich stellenweise nicht mehr so anfühlt—aber dazu später mehr.

Erster Tag auf der komplett unbekannten (!!!) Station mit komplett unbekannten (!!!!) Patienten mit komplett unbekannten Krankheitsbildern (!!!) (Ja gut es ist Kardiologie, aber das kann halt einfach auch alles sein)

Noch ganz euphorisch vom überstandenen schriftlichen Teil komm ich also an besagtem Tag um 5:43 (6:00 ist Dienstbeginn—nur so am Rande) auf meine Station, werde auch ganz freundlich begrüßt…Tasche dort hinein, Kaffe steht da, Tassen im Schrank, Übergabe im Stützpunkt…setze mich mit meinem Kaffee nieder und warte auf die Übergabe. Die Schwestern besprechen alles mögliche miteinander, es wird dann auch schon sechs, aber keine Übergabe, wird auch viertel nach sechs, kurz vor halb sieben verabschiedet sich dann der Nachtdienst, alle stehen auf und räumen ihre Tassen weg, bereiten sich aufs arbeiten vor—ABER KEINE ÜBERGABE!

Ich frag dann meine Schwester wie sie es hier mit der Übergabe halten und was sagt sie mir???  ” Ach Übergabe waren wir schon fertig bevor du gekommen bist…”  Ja wie, was??? Da komm ich schon 17 !!! Minuten früher zum Dienst als ich muss und dann ist die Übergabe schon fertig bevor ich komm??? Super…aber ganz ehrlich: wer braucht an seinem allerersten Tag auf der neuen Station schon ne Übergabe??? kann man doch schließlich riechen was einem Patienten so fehlt… bisschen angepisst nach dem ersten Tag, aber gut am nächsten Tag hab ich ja dann Spät, da werden die mit der Übergabe dann schon irgendwie auf mich warten…

Nächster Tag Spät, meine  persönliche Lieblingsschicht! Komm also in die Stationsküche (mittags ist die Übergabe hier) und außer mir sind schon zwei “volle” Kollegen da…als die Übergabe dann losging hab ich mir zwar gedacht dass von den Vollkräften schon noch einer fehlen muss weil drei Bereiche—drei Schwestern, aber hier ist das ja wohl auch nicht unüblich dass ohne alle angefangen wird. Also brav zugehört, alles aufgeschrieben…

Bei der Übergabe vom letzten Bereich, zwar schon etwas Verwunderung warum mir die Frühschwester soooo genau erklärt was Nachmittags alles zu tun ist, aber mir prizipiell egal, mir wird schon einer sagen was ich zu tun hab. Nach der Übergabe also raus auf den Stationsflur, kurz umgeschaut und dann mal eine der Kolleginnen gefragt mit wem ich heute mitgehen soll… kommt die Antwort die ein Schüler am zweiten Arbeitstag auf einer neuen Station unbedingt hören will ” Mit garkeinem du hast heute alleinen einen Bereich, Übergabe hast ja bekommen…” Alles klar, ich bin hier neu, kenn nichts auf der Station und hatte noch nie nen Bereich so richtig allein (mal zwei Zimmer, aber was ist das schon…) und jetzt soll ich das auf die Reihe bekommen….ja gut. Hab den Nachmittag dann irgendwie rumgebracht, versucht zu tun was alle anderen tun, hab mich bemüht nen ordetnlich Übergabe hinzukriegen, und ja ging schon so…und immer wenn ich das Gefühl hatte es geht nicht mehr hab ich mir gedacht ” Ab Oktober willst du für zwei Intensivpatienten zuständig sein, da kannst du hier jetzt nicht das Rumheulen anfangen und aufgeben…”

 

Zwei Wochen Spätschicht später: Ich hab das Alles tatsächlich im Griff, ich kann aufnehmen, entlassen, von Wache oder Intensiv abholen ohne die Hälfte zu vergessen, schaffe es auch im größten Stress cool zu bleiben und einfach eins nach dem anderen abzuarbeiten, schaffe es trotz meinem Schülerstatus (den mein Namensschild ja immer noch kundtut) den Ärzten meinen Wünsche klarzumachen und bringe sie dazu (meistens) zu tun was ich will. Ha, ich habs drauf…

Glaube dass mir diese zwei Wochen im Hinblick aufs Examen unglaublich gut getan haben weil ich da gelernt habe voll und ganz hinter dem zu stehen was ich mache und nicht mehr so auf Schülerart ” darf ich, und wirklich??? und hab ich das jetzt richtig gemacht…und ich trau mich nicht,bin ja nur Schüler” sondern irgendwie schon als Schwester ” Ich mach das so und so ist es gut, weil ich bin die Schwester hier!!!”

Hoffe ich kann dieses Selbstbewusstsein ins Examen retten… Am Freitag nachmittag werden wir es wissen

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